Wirtschaft : Versicherungsombudsmann: Ein Sieg für die Verbraucher

Karin Birk

Die Verbraucher können sich freuen. Jetzt endlich gibt es auch hier zu Lande, was in England, in der Schweiz und in den Niederlanden schon eine lange Tradition hat - einen Ombudsmann für die Versicherungswirtschaft. Einen Schiedsrichter, der in Streitfällen zwischen Privatpersonen und Versicherungsunternehmen schlichten soll. Wer sich also als Kunde künftig von seiner Versicherung nicht richtig behandelt fühlt, muss sich nicht gleich geschlagen geben oder direkt zum Rechtsanwalt laufen. Jetzt endlich kann er sein Anliegen einer neutrale Stelle vorlegen und auf deren Einschätzung vertrauen.

Doch ist diese Stelle tatsächlich so unabhängig? Schließlich steht hinter dem Ombudsmann ein Verein, dessen Mitglieder die deutschen Versicherungsgesellschaften sind. Sie sind es, die den Schlichter und seine Mitstreiter finanzieren. Und zwar mit sechs Millionen Mark im Jahr.

Dennoch stehen die Chancen gut, dass der Ombudsmann tatsächlich unabhängig ist: Denn erstens würden sich die Versicherungsgesellschaften selbst gewaltig ins eigene Fleisch schneiden, sollte herauskommen, dass sie hier direkt Einfluss nehmen. Zweitens wird die Arbeit des Ombudsmannes von einem Beirat überwacht, in dem auch Verbraucherschutzorganisationen, Wissenschaftler, Vertreter der Versicherungsaufsicht und der politischen Parteien sitzen. Und drittes ist der Ombudsmann nicht irgendwer. Der Rechtsprofessor Wolfgang Römer war Richter beim Bundesgerichtshof und mit Versicherungsfragen betraut. Dort hat Römer nicht nur einmal Urteile gefällt, die die Interessen der Verbraucher und ganz und gar nicht die der Versicherungsunternehmen im Auge hatten. So war er es etwa, der sich für die Aufhebung der Zehn-Jahres-Laufzeit bei Versicherungsverträgen einsetzte. Unter seine Ägide fiel auch das Urteil, das Behandlungsmethoden, die nicht unbedingt wissenschaftlich nachgewiesen werden können, von Krankenversicherungen bezahlt werden müssen. Doch das sind nur wenige Beispiele. Am meisten zählt, dass er selbst die Aufgabe nicht angenommen hätte, wäre er von der Unabhängigkeit des Amtes nicht überzeugt gewesen.

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