Wirtschaft : Versicherungspolice gegen den Treibhauseffekt

Münchener Rück sichert Windräder ab – und hilft sich damit selbst

Nicole Adolph

München - Die Münchener Rück erhofft sich von erneuerbaren Energien eine deutliche Belebung ihres Geschäfts. Der weltweit größte Rückversicherer fährt dabei eine Doppelstrategie. Zuvorderst will der Konzern an dem Branchenboom mit klimaschonender Energie teilhaben, indem er Windrad- und Wasserkraftanlagen versichert. Hinter der Ankündigung, klimafreundliche Energieträger massiv zu fördern, steckt aber noch ein anderes Motiv: Die Münchener Rück will damit Schadensfällen aus Naturkatastrophen vorbeugen. Denn die Belastungen für die Versicherung aus Naturkatastrophen, gegen die ihre Kunden sich abgesichert haben, belasten die Bilanz.

„Die Branche ist enorm im Aufwind. Prämieneinnahmen aus erneuerbaren Energien werden in Zukunft eine wesentliche Rolle für uns spielen“, sagte Gerhard Berz, Leiter des Bereichs Georisiko-Forschung der Münchener Rück, dem Tagesspiegel. Wie viel Prozent vom Gesamtprämienvolumen künftig auf Versicherungen im Bereich Wasser-, Wind- und Sonnenenergie entfallen werden, sei noch nicht abschätzbar. Berz wies aber darauf hin, dass mit der Verpflichtung der EU-Staaten, ihren Anteil an erneuerbaren Energien bis 2010 zu verdoppeln, der Versicherungsbedarf stark steige.

Die Münchener Rück will mit ihrem Engagement aber auch sich selbst schützen. Erneuerbare Energien seien die „einzige Chance, das Klima auf der Erde zu retten“, betont Berz. Die neuen Energieformen reduzierten nicht nur den Ausstoß von Kohlendioxid, der bei der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle entsteht und der den Treibhauseffekt begünstigt. Die Erderwärmung wirkt sich außerdem verheerend auf das Versicherungsgeschäft aus, weil durch die damit verbundene Häufung von Naturkatastrophen immer höhere Schadensbelastungen auf die Versicherer zukommen. Nach Angaben der Münchener Rück ist die Zahl großer Naturkatastrophen seit den 60er Jahren auf das Dreifache, die Schadenbelastung der Versicherer im selben Zeitraum auf das 14fache gestiegen.

Der Einstieg ins Geschäft mit erneuerbaren Energien birgt für die Versicherer allerdings erhebliche Risiken. „Erneuerbare Energien sind neues Terrain, auf dem fundierte Schadensstatistiken noch fehlen“, sagte MünchenerRück-Vorstand Stefan Heyd. Schadenskosten könnten oft nicht abgeschätzt werden. Daher gewährt die Münchener Rück bei vielen Schäden, wie Ertragsausfällen bei Wellen- und Solargroßkraftwerken oder Konstruktions- und Materialfehlern, noch keinen Versicherungsschutz.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt, dass den Beitragseinnahmen von 30 Millionen Euro aus Erneuerbare-Energie-Versicherungen im Jahr 2002 Schadensaufwendungen von 45 Millionen Euro gegenüberstanden. Ein schlechtes Geschäft für die Versicherer. Vor allem bei Windkraftwerken haben die Versicherer schon unangenehme Überraschungen erlebt. Wegen der hohen mechanischen Belastung von Bauteilen sind diese Anlagen sehr reparaturanfällig. Das gilt vor allem für so genannte „Offshore“-Anlagen, also Windparks, die weit vor der Küste ins Meer gebaut werden. Solche Anlagen sind starkem Wind und Seegang ausgesetzt. Aus dem bisher größten Offshore-Windpark Horns Rev in der Nordsee vor Dänemark hat sich die Münchener Rück, die sich in der Bauphase als führender Rückversicherer engagiert hatte, mittlerweile zurückgezogen. Deutsche Offshore-Parks sind noch in Planung.

Der Rückversicherer betont aber, er erziele bei der Windenergie insgesamt positive Prämienbeiträge. Sehr riskant ist auch ein Geothermieprojekt in Unterhaching bei München, bei dem 130 Grad heißes Wasser in Energie umgewandelt werden soll. Dabei hat die Münchener Rück die europaweit erste privatwirtschaftliche „Fündigkeitsversicherung“ für eine geothermische Tiefbohrung abgeschlossen. Das Risiko, ob mit der Bohrung überhaupt oder ausreichend viel heißes Wasser zutage gefördert werden kann, trägt die Münchener Rück dabei zu einem Teil mit, so dass Investoren und Betreiber nicht alleine haften müssen. Im schlimmsten Fall müsste die Münchener Rück nach Angaben von Berz einen einstelligen Millionenbetrag abschreiben.

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