Versorgungsprobleme : Russland kürzt Öllieferungen nach Deutschland

Verwirrung in Deutschland: Russland hat die wichtigen Öllieferungen in die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt gedrosselt. Dort musste man notgedrungen auf andere Quellen zurückgreifen. Mit Erklärungen für die Einschränkungen spart die russische Ölfirma.

Öl
Die PCK Raffinerie GmbH in Schwedt bekommt weniger Öl aus Russland. -Foto: dpa

MünchenAcht Monate nach der zeitweiligen Sperrung der Druschba-Pipeline gibt es neue Probleme mit der Ölversorgung Deutschlands aus Russland. Ein Sprecher der brandenburgischen Raffinerie Schwedt am Ende der Druschba-Leitung bestätigte Informationen der "Süddeutschen Zeitung", wonach es zu Lieferkürzungen gekommen ist. Es gebe aber keine dramatischen Absenkungen der Öllieferungen, sagte Raffinerie-Sprecher Karl-Heinz Schwellnus.

Zudem seien die Mengenreduzierungen seit Juli angekündigt worden. Anders als zu Jahresbeginn hätten die Lieferanten den Ölhahn nicht einfach zugedreht. Damals hatte Russland mit Weißrussland um Transitgebühren gestritten und die Öllieferungen zeitweilig gekappt. Über die Leitung in Schwedt bekommt Deutschland ein Fünftel seines gesamten Erdölbedarfs geliefert.

Ursache unklar

Zum Grund der Kürzungen machte Schwellnus keine Angaben. "Über die Ursache der Lieferschwankungen gibt es Gespräche mit den Lieferanten", sagte der Sprecher lediglich. Einzelheiten wollte er nicht nennen. Die Raffinerie in Schwedt gehört den Mineralölkonzernen BP, Shell, Agip und Total.

Laut Schwellnus greift die Raffinerie derzeit auch auf die Rostocker Pipeline mit Nordseeöl zurück. Der Betrieb in Schwedt laufe voll weiter. Mögliche Engpässe könnten zudem aus den eigenen Öllagern überbrückt werden.

Russland bestätigt Lieferausfälle

Der russische Pipeline-Betreiber Transneft bestätigte inzwischen Ausfälle bei Öllieferungen nach Deutschland. Laut "Süddeutscher Zeitung" hatte der Vize-Präsident von Transneft, Sergej Grigorjew, bislang Lieferprobleme bestritten. Die zweitgrößte russische Ölfirma Lukoil habe ihren Lieferumfang um etwa ein Drittel gekürzt, teilte das Unternehmen der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. Die Gründe für die Einschränkungen seien nicht bekannt, sagte Grigorjew. Lukoil habe im Juli und August seine Lieferverpflichtungen nicht erfüllt. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres habe Lukoil 2,4 Millionen Tonnen nach Deutschland geliefert, hieß es. Lukoil wollte zunächst nicht Stellung nehmen, meldete Interfax unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher. Das Unternehmen wolle in den nächsten Tagen eine Antwort geben.

Aus Kreisen des Unternehmens zitierte die russische Nachrichtenagentur jedoch, dass die Lieferungen nach Deutschland seit Beginn des Jahres nicht mehr so rentabel seien. Grund sei die Erhöhung der Transitgebühren, die Weißrussland für den Transport des Öls über sein Territorium beschlossen hatte.

Bundesregierung: "Nicht das erste Mal, dass es passiert"

Auch die Bundesregierung bezog Stellung zu den Lieferproblemen. "Die Schwankungen sind uns bekannt", sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums. Es sei "nicht das erste Mal, dass es passiert". Es sei aber nicht zu sehen, dass die Versorgung Deutschlands "beeinträchtigt" sei. "Es gibt auch andere Wege für die Raffinerien, um sich Öl zu besorgen", sagte sie. "Wichtig ist, dass Russland gesagt hat, dass die Lieferungen langfristig gesichert sind." (mit dpa/AFP)

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