Wirtschaft : Verspätung wird für Airbus teuer

Flugzeugbauer kündigt Verzögerungen bei der Auslieferung des Großraumflugzeuges A380 an / Führungsstreit noch nicht beendet

N.Huss/F. Wisdorff

Berlin/München - Die Auslieferung des neuen Airbus-Großraumflugzeuges A380 verzögert sich um bis zu einem halben Jahr. „Abhängig von der Seriennummer kann es sich um bis zu sechs Monate handeln“, sagte eine Sprecherin des im französischen Toulouse angesiedelten Flugzeugherstellers. Auf Airbus könnten nun Schadenersatzzahlungen an die betroffenen A380-Kunden zukommen. Die australische Fluggesellschaft Quantas hat am Mittwoch mitgeteilt, über die Verzögerung in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Quantas erhalte seinen ersten von zwölf bestellten A380 nun erst im April 2007 statt im Oktober 2006. Quantas plant, Schadenersatz zu fordern.

Bereits Ende April hatte Airbus erklärt, dass sich die allererste Auslieferung des Großraumflugzeugs – Kunde ist Singapore Airlines – bis in die zweite Jahreshälfte 2006 verzögern wird. Ursprünglich war die Auslieferung für März 2006 geplant. Auch Singapore Airlines plant Schadenersatzforderungen.

Airbus habe die Verzögerung mit „produktionstechnischen Gründen“ erklärt, hieß es bei Quantas. Ein Airbus-Sprecher erklärte, es gebe nicht „einen bestimmten Grund“ für die Verzögerungen, sondern man habe nach dem Erstflug die Abläufe erneut überprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass „wir noch einiges neu machen müssen“. Airbus müsse auch auf die Anforderungen der Fluggesellschaften bei der Ausstattung der Kabine eingehen.

Der A380 sei ein „komplexes und wertvolles Projekt“, bei dem man in der Anfangsphase mit Verzögerungen zu rechnen habe“. Über mögliche drohrnde Kosten wollte Airbus sich nicht äußern. Man habe mit jeder Fluggesellschaft unterschiedliche Verträge abgeschlossen, hieß es lediglic. In Analystenkreisen geht man davon aus, dass die Strafzahlungen „unter 50 Millionen Euro“ liegen würden, wenn es nicht noch weitere Verzögerungen geben würde. Als Grundlage für diese Rechnung nannten die Kreise die Information, dass die in den Verträgen festgelegten Strafzahlungen bei Verzögerung bei unter einem Prozent des Flugzeug-Listenpreises von 280 Millionen Dollar lägen.

Auch Air France wurde über eine verspätete Auslieferung des doppelstöckigen A380 informiert. Wie lange sich die Auslieferung verzögern wird, sagte eine Air-France-Sprecherin nicht. Die Lufthansa wurde noch nicht über mögliche Verspätungen informiert. Für den Fall von Verzögerungen gebe es in den Verträgen entsprechende Klauseln. Die verschobene Auslieferung des Flugzeuges belastete am Mittwoch die hauptsächlich in Paris gehandelte Aktie der Airbus-Muttergesellschaft EADS. Nach der Bestätigung durch Airbus gaben die EADS-Aktien in Paris teilweise bis zu 1,25 Prozent nach, bei Börsenschluss hatten lag das Minus aber nur noch bei 0,25 Prozent auf 23,97 Euro.

Auch konzernintern steckt EADS weiter in Turbulenzen. Der Machtkampf zwischen den deutschen und französischen Anteilseignern Daimler-Chrysler und Lagardère um Führungsposten scheint noch nicht ganz ausgestanden zu sein. Ursprünglich sollte auf einer Sitzung des Verwaltungsrates am Mittwoch der Deutsche Gustav Humbert zum Airbus-Chef gewählt werden. An die Doppelspitze von EADS sollten der Deutsche Thomas Enders und der französische Noch-Airbus-Chef Noël Forgeard rücken.

Bis Mittwochabend war jedoch unklar, ob noch eine Entscheidung fallen würde. Aus Kreisen in Paris hieß es, die Vorstandssitzung werde nicht vor nächster Woche stattfinden. Branchenkenner mutmaßten, dies könne mit der französischen Regierungsumbildung zusammenhängen. Ein mit den Verhandlungen Vertrauter sagte dem Tagesspiegel, die Nominierung von Humbert zum Airbus-Chef sei nicht mehr strittig. Die Verzögerung hänge eher mit kleineren Formalien zusammen. Der Verwaltungsrat muss die gesamte elfköpfige Führungsriege von EADS neu wählen, Ursprünglich hätte die neue Führung vor drei Wochen gewählt werden sollen.

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