Wirtschaft : Versteigerungen: "Für junge Leute sind Auktionen mehr ein Spiel"

Herr Ketterer[seit elf Jahren sind sie Auktionato]

Robert Ketterer ist Geschäftsführer des Auktionshaus Ketterer Kunst, München.

Herr Ketterer, seit elf Jahren sind sie Auktionator. Hat sich in der Zeit der Markt für Versteigerungen verändert?

Die Warenbeschaffung ist wesentlich schwieriger geworden. Früher wurde sehr viel mehr direkt in unser Haus getragen. Die jüngere Generation, die heute ein Werk versteigern will, ist wesentlich offener und weniger an ein bestimmtes Auktionshaus gebunden. Die Konkurrenz hat sich dadurch verschärft.

Bei Auktionen stellen sich viele grauhaarige Sammler vor, die bis zum Letzten bieten, um ihr Lieblingskunstwerk zu bekommen ...

Heute gibt es relativ viele junge Leute, die den Auktionsmarkt unter dem Aspekt des Spielens sehen. Man weiß dann nie, wo das endet, denn diese Kunden gehen nicht immer auf Nummer sicher.

Den typischen Sammler gibt es aber noch?

Kaum. Heute sammeln die meisten eher in der Breite und kennen den Markt für einzelne Werke nicht so gut. Sie können sich aber schnell über das Internet informieren und Preisvergleiche anstellen.

Wie groß ist die Konkurrenz durch Internet-Auktionshäuser wie Ebay?

Das Internet bleibt ein Medium, um Informationen zu veröffentlichen - mehr auch nicht. Für unser Geschäft sind Auktionen per Internet keine Konkurrenz.

Woran liegt das?

Wir übernehmen die volle Garantie für die Objekte, die wir versteigern. Häuser wie Ebay machen das nicht, sondern lagern diese Last auf Anbieter und Käufer aus. Aber wie soll ein Privatkunde die Echtheit seines Objektes überprüfen? Vielleicht ist er davon überzeugt, eine Picasso-Lithografie zu besitzen, und bietet sie an. In Wirklichkeit ist es aber nur ein Poster.

Und wie überprüfen Sie die Echtheit?

Das ist die heikelste Frage im Kunstmarkt. Soll ein Objekt versteigert werden, prüfen wir es zunächst von der kunsthistorischen Seite, das heißt, wo wurde es schon einmal gehandelt, in welchen Werkverzeichnissen, denen man auch trauen kann, taucht es auf.

Wenn das nicht reicht ...

dann schalten wir einen entsprechenden Kunstexperten ein. Zu manchen Künstlern gibt es nur zwei, drei, die über die ganze Welt verstreut sind. Um verlässliche Aussagen zu machen, ist sehr viel Erfahrung nötig. Wenn auch die Experten die Echtheit nicht bestätigen, dann wird das Objekt aus der Auktion genommen.

Experten können sich auch täuschen.

Wenn das aber öfters passiert, dann ist die Reputation dahin und sie werden nicht mehr gefragt. Es kommt auch vor, dass eine Fälschung über Jahrhunderte für echt gehalten wird. Zum Beispiel Rembrandts "Mann mit dem Goldhelm". Heute ist keiner mehr sicher, wie viel von dem Bild von Rembrandt stammt und wie viel von seinen Schülern.

Ein Objekt ist echt und wird gehandelt. Wie kommt dann der Preis zustande?

Der Handel startet beim so genannten Ausrufpreis. Der liegt unter dem vorher - auf Grund der Marktlage - ermittelten Schätzpreis. Mit jedem neuen Gebot steigt der Preis dann um zehn Prozent. Liegt er schließlich recht hoch, gibt es aber immer noch einen Bieterwettbewerb, wechselt der Auktionator zu kleineren Schritten von fünf Prozent, bis schließlich der Zuschlag erfolgt.

Was geschieht, wenn das Höchstgebot unter dem Schätzpreis liegt?

Dann erfolgt der Zuschlag zu dem niedrigen Preis. Der Anbieter kann nach Beginn der Auktion sein Objekt nicht mehr zurückziehen. Es ist ein sehr brutaler Markt.

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