Wirtschaft : Vertragspanne: Neue Finanzrisiken für die Kirch-Gruppe

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Der Kirch-Gruppe drohen weitere Finanzrisiken in Millionenhöhe. Hintergrund ist der Weiterverkauf der TV-Rechte für die im Mai startende Fußballweltmeisterschaft 2002 nach Spanien, bestätigte ein Kirch-Sprecher auf Anfrage. Der Konzern hat diese Rechte exklusiv an den spanischen Bezahl-Sender Via Digital für angeblich rund 300 Millionen Schweizer Franken (203,38 Millionen Euro) verkauft. Die Spanier sehen aber ihre Exklusivität verletzt, weil ARD und ZDF, die für Deutschland die WM-Rechte gekauft haben, per analogem Astra-Satellit ebenfalls und kostenlos in Spanien empfangen werden können. Diesen Sachverhalt bestätigt Kirch.

Ob deshalb nun mit Via Digital über einen Preisnachlass verhandelt wird, wollte ein Konzernsprecher aber nicht sagen. In Branchenkreisen wird dagegen über mögliche Einbußen für Kirch von bis zu 50 Millionen Euro spekuliert. Das käme der Mediengruppe sehr ungelegen, denn Kirch kämpft mit Schulden von 6,5 Milliarden Euro, weiteren Zahlungsverpfichtungen in Milliardenhöhe und Milliardenverlusten des Bezahlsenders Premiere World. "Die Verträge mit ARD und ZDF werden überhaupt nicht in Frage gestellt," beruhigte ein Kirch-Sprecher heimische Zuschauer und Fußballfans.

Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten sich vor Jahresfrist nach langem Ringen die Live-Senderechte für 24 WM-Spiele zum Preis von damals rund 225 Millionen Mark (rund 115 Millionen Euro) gesichert. Für die in Deutschland 2006 stattfindende WM haben ARD und ZDF ein Vorkaufsrecht. Dafür werden Preise von rund 250 Millionen Euro diskutiert. Kirch selbst hat für beide WM-Lizenzen umgerechnet knapp 900 Millionen Euro bezahlt. Auch ein Preisnachlass für die Spanier dürfte den Sportrechtehandel für ihn zum lukrativen Geschäft machen. Man führe Gespräche mit Via Digital und sei zuversichtlich, bis zum Beginn der WM Ende Mai zu einer Lösung zu kommen, sagte ein Kirch-Sprecher. Nicht kommentieren wollte er eine angebliche Drohung der Spanier, wegen der Vertragspanne gegen Kirch vor Gericht zu ziehen. Die Münchner Mediengruppe streitet sich derzeit auch mit US-Filmstudios über Lieferverträge. Dabei macht Kirch eine Kaufpreisminderung wegen angeblich mangelhafter Qualität der Streifen geltend.

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