Wirtschaft : Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

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Für die Chief Excecutive Officers (CEO) in den Spitzen der amerikanischen Wirtschaft scheinen die Tage der grenzenlosen Macht gezählt. In der vergangenen Woche haben die Herren der Wall Street den börsennotierten Unternehmen neue Maßgaben für die Unternehmenskontrolle verschrieben. Die Vorschläge sollten auch die europäische Firmenwelt aufhorchen lassen. In Sachen Corporate Governance leidet man in Europa unter ähnlichen Vertrauensproblemen wie die amerikanischen Unternehmen und schneidet bei Fragen der Transparenz vielfach sogar noch schlechter ab. In dem seit langem erwarteten Bericht schlägt das Komitee der New Yorker Börse vor, dass die Vorstände von börsennotierten Unternehmen mehrheitlich aus Personen bestehen sollen, die unabhängig vom Management sind. Insbesondere bei der Aufsicht des Vorstandes und in den Vergütungsausschüssen dürfen nur noch unabhängige Vorstandsmitglieder das Sagen haben. Diesen Direktoren soll es ihrerseits untersagt sein, Beratungsverträge mit ihrer Gesellschaft abzuschließen. Die Neuregelungen hätten auch zur Folge, dass die Vorstände externe Wirtschaftsprüfer mit der Aufsicht über ihre Veröffentlichungen betrauen müssen. Damit dürfte die Qualität der Berichte steigen. Die Reform scheint der richtige Schritt zu sein gegen die Machtanhäufung der CEO, die seit den Neunzigerjahren die Unternehmenskontrolle kennzeichnet. Schließlich sollte es die Aufgabe der Vorstände sein, die Interessen der Eigentümer zu vertreten und nicht die des Managements. Das Komitee fordert außerdem, dass zum Beispiel Aktienoptionen von den Aktionären genehmigt werden müssen. Diese Forderung ist berechtigt, denn letztlich verwässern solche Optionen die Stimmkraft der bestehenden Aktien. Für Investoren und Unternehmensführungen sind die Vorschläge gleichermaßen begrüßenswert. Die Aktienmärkte leben vom Vertrauen, und der bedauerliche Zustand der amerikanischen Aktien beweist, dass es an diesem Vertrauen mehr und mehr fehlt. Das US-System von Corporate Governance galt lange als Vorbild für den Rest der Welt. Doch der gute Ruf dieses Modells hat gelitten, als Enron und Anderson zerbrachen. Wenigstens demonstriert die Wall Street jetzt ihren Willen zur Reform.

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