Wirtschaft : Vertreibung aus dem Paradies

Brasilien, Russland, Indien und China verlieren an Kraft – ein Alarmsignal für die Weltwirtschaft

Moritz Döbler/Henrik Mortsiefer

Berlin - Von den Investmentbanken wurden sie als Synonym für Wachstum gehandelt, als „preiswerte Supermärkte“, die jede Renditeerwartung übertrafen: die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Ihr stürmisches Wachstum, ihre rasante Aufholjagd in die Moderne ließ die Industrieländer träumen. Auch deutsche Exporteure überboten sich mit blumigen Prognosen: Autos, Maschinen, Chemie – ein riesiger Markt mit 2,8 Milliarden Menschen schien sich für deutsche Produkte aufzutun.

Doch mit dem Zusammenbruch des Wall-Street- Kapitalismus sind auch diese Träume geplatzt. Zunächst galt der Hunger der BRIC-Staaten nach Rohstoffen vielen noch als Zeichen ihrer Stärke. Doch nun kippt die Stimmung. Tägliche Hiobsbotschaften aus den vermeintlichen Wachstumsparadiesen machen Angst. Versagen die Schwellenländer als Puffer für die Industrienationen, die in die Rezession gerutscht sind? „Die letzte Hoffnung für die Weltwirtschaft ist enttäuscht worden“, sagt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. „Die Vorstellung, die Weltwirtschaft erlebe eine normale Rezession, kann man vergessen“, warnt er. Schon jetzt liege das „Aktivitätsvolumen“ der globalen Wirtschaft fünf bis zehn Prozent unter dem, was vor wenigen Wochen noch als Horrorszenario gegolten habe. „Und wir werden uns noch von weiteren Vorstellungen verabschieden müssen“, glaubt Walter.

Die größte Kraft traut der Ökonom noch China zu – trotz des zuletzt eingebrochenen Wachstums. Ebenso Anton Börner, der Präsident des Bundesverbands des Groß- und Außenhandels. „Die Chinesen müssen ihre Wirtschaft langfristig umbauen, und dafür brauchen sie neue Anlagen. Deswegen bleibt die deutsche Industrie dort ganz weit vorn“, sagt Börner. „Der säkulare Wachstumstrend in China ist ungebrochen. Das könnte sich die Regierung auch sozialpolitisch gar nicht leisten, denn dann käme es zur Revolution.“ Moritz Döbler/Henrik Mortsiefer

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