Wirtschaft : Verwirrung um Verkauf der HDW-Werft

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Düsseldorf (fo/tas/HB). Der Verkauf der Kieler U-Boot-Werft HDW an einen US-Investoren wird immer undurchsichtiger. Der Babcock-Borsig-Konzern dementierte am Dienstag zwar einen bevorstehenden Verkauf weiterer HDW-Anteile an das US-Rüstungsunternehmen Northrop Grumman. Gleichzeitig bestätigte ein Sprecher des Oberhausener Anlagenbauers aber, dass es Kooperationsgespräche mit Northrop gebe.

Verstimmt zeigte sich deshalb die EU-Kommission. „Entweder die Unternehmen haben unvollständige Angaben gemacht, oder aber wir sind getäuscht worden“, hieß es gestern in Kreisen der Brüsseler Wettbewerbsbehörde. EU-Kommissar Mario Monti hatte dem US-Investor OIne Equity Partners (OEP) gerade die Übernahme eines HDW-Aktienpakets von 75 Prozent minus einer Aktie erlaubt. Verkäufer der Anteile sind Babcock-Borsig der Touristikkonzern Preussag. Monti verzichtete darauf, ein viermonatiges Prüfverfahren einzuleiten. Dies hatte das Bundeskartellamt gefordert. Die EU-Kommission begründete ihre Entscheidung damit, dass ihre Untersuchung „keinerlei Verbindungen“ zwischen zu US-Rüstungskonzernen ergeben habe.

Doch kaum ist der positive Bescheid verschickt, erscheint der als reine Finanzinvestition bezeichnete Deal in einem völlig anderen Licht. Zunächst teilte OEP mit, sie suche für HDW Kooperationspartner und spreche mit den US-Rüstungskonzernen Northrop Grumman und General Dynamics. Und nun bestätigte die Babcock-Borsig, dass sie direkt mit Northrop Grumman über eine Kooperation mit HDW spreche. In verhandlungsnahen Kreisen ist nach Informationen des Handelsblatts sogar die Rede davon, dass Northrop mit knapp 20 Prozent bei HDW einsteigen will.

„Von einem möglichen Einstieg von Northrop bei der Kieler Werft war uns nichts bekannt“, sagte ein Kommissionsbeamter. Ein mit dem Fall vertrauter Brüsseler Anwalt sagte, HDW hätte die Kommission über die Pläne zur Kooperation mit Northrop informieren müssen. Nach der EU-Fusionskontrollverordnung kann die Kommission eine genehmigte Transaktion erneut prüfen oder gar widerrufen, wenn eine der Parteien falsche Angaben gemacht hat.

Die Amerikaner haben offenbar deshalb so großes Interesse an der HDW, weil die Kieler Werft derzeit ein U-Boot baut, das von einer Brennstoffzelle angetrieben wird. Das U 31 soll das modernste konventionelle U-Boot der Welt sein. Es ermöglicht wochenlange Tauchgänge und ist praktisch nicht zu orten. In den USA dagegen werden derzeit nur U-Boote mit Nuklearantrieb hergestellt.

Laut Medienberichten hatten die USA Taiwan die Lieferung von acht konventionellen U-Booten zugesagt. Da die USA selbst nicht über diese Technik verfügen, soll die Zusage über den Umweg einer US-Beteiligung an HDW erfüllt werden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte jedoch am Montag erklärt, HDW-U-Boote sollten auch mit neuen Eigentümern der Werft nicht in Krisengebiete exportiert werden. „Die Bundesregierung hat gute Gründe, warum solche Exporte nach Taiwan nicht genehmigt werden“, sagte er. Die Vorschriften des Kriegswaffenkontroll- und des Außenwirtschaftsgesetzes könnten bei einer Übernahme von HDW auch nicht dadurch umgangen werden, dass U-Boote im Ausland gebaut würden, hieß es in Regierungskreisen.

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