Wirtschaft : Verwunderung in Frankfurter Bankerkreisen

ROLF OBERTREIS (MAIN)

Kreditfinanzierte Wertpapiergeschäfte ungewöhnlich / Vermögensverwalter unseriösVON ROLF OBERTREIS (MAIN) FRANKFURT.Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer und Otmar Issing, der Chef-Volkswirt der Bundesbank, haben die Vorwürfe im Zusammenhang mit den kreditfinanzierten Wertpapiergeschäften wie berichtet am Sonntag als "infam" und "nachweisbar" falsch zurückgewiesen.Daß dies mit Blick auf Geschäfte mit Bundesbank-Obligationen im Oktober 1992 der Fall ist, bezweifelt in Frankfurt niemand.Trotzdem finden sich unter Frankfurter Bankern auch verwunderte Stimmen.Grund: Kreditfinanzierte Wertpapiergeschäfte in Depots zur Vermögensverwaltung sind keineswegs ein normaler Vorgang.Bei der Commerzbank und der BHF Bank etwa werden solche Vorgaben abgelehnt."In der Regel lohnt sich das gar nicht", sagt ein Insider."Und wenn es schief läuft, tut sich eine große Schere für Verluste auf." Andere Banken überlassen diese Risiko-Einschätzung den Kunden und kaufen nur nach Absprache Wertpapiere auch auf Pump.Im Fall von Tietmeyer orderte der Vermögensverwalter der Metallbank Bundesobligationen im Wert von einer Mill.DM, für Issing im Wert von 500 000 DM.Durch den bevorstehenden Zinsanstieg war ein Gewinn programmiert.Nach wenigen Tagen wurden die Papiere wieder verkauft, mit angeblich 3500 DM Gewinn für Tietmeyer.Von dem Geschäft erfuhren beide erst im Nachhinein - und waren entsetzt.Dem Banker untersagten sie weitere Geschäfte dieser Art, den Gewinn spendeten sie der Frankfurter Ludwig-Börne-Gesellschaft. Über zwei Dinge wundern sich Beobachter gleichwohl.Wieso lassen es zwei hochrangige Bundesbanker im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu, daß in ihren Depots mit Krediten gearbeitet wird? Wieso macht andererseits ein Banker ein solches Geschäft für solche Kunden? Bundesobligationen für führende Bundesbanker und dann noch in zeitlicher Nähe zu Zinsentscheidungen.Dies ist mehr als ungeschickt."Ein seriöser Verwalter macht das nicht, das war ein unmögliches Gebaren der Metallbank", sagt ein Banker.Tietmeyer und Issing nutzten unabhängig von einander gerade eine private Bank, um die Distanz zu ihrer Arbeit zu schaffen.Bei der Metallbank hat man den Mißgriff auch bemerkt: Der verantwortliche Banker mußte gehen.Auch Tietmeyer und Issing haben längst Konsequenzen gezogen: Sie haben die Bankverbindung 1993 aufgelöst.Der Bank, die zwar einen guten Ruf genießt, aber nicht zu den ersten Adressen gehört, dürfte die Aufdeckung des Falles nicht zum Vorteil gereichen.

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