Wirtschaft : Verzögerung beim Superjet kostet Airbus Milliarden

Auslieferung verspätet sich um ein halbes Jahr – Börsenwert des Mutterkonzerns EADS sinkt teilweise um sieben Milliarden Euro

Rainer W. During

Berlin/Paris - Die erneute Lieferverzögerung beim Großflugzeug Airbus A380 hat den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS an der Börse Milliarden gekostet. Die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns verlor am Mittwoch zeitweise ein Drittel ihres Wertes. Airbus-Kunden kündigten Schadenersatzforderungen wegen der um sechs bis sieben Monate verzögerten Auslieferung des größten Passagierflugzeuges der Welt an. Singapore Airlines (SIA) vergab postwendend einen Milliardenauftrag an den Erzkonkurrenten Boeing. Die Lufthansa, die 15 Maschinen bestellt hat, befürchtete zunächst keine Probleme für ihre Flotten- und Flugplanung.

Airbus hatte bereits im vergangenen Jahr eine um zwei bis sechs Monate verzögerte Auslieferung des A 380 angekündigt. Nun erklärte der europäische Flugzeugbauer am Dienstagabend, dass auch dieser Zeitplan wegen Fertigungs- und Installationsproblemen bei elektrischen Systemen nicht eingehalten werden könne. Zwar soll das weltweit erste Exemplar weiter zum Jahresende an Singapore Airlines gehen; im Jahr 2007 sollen aber statt geplanter 20 bis 25 Exemplare nur neun Maschinen ausgeliefert werden. 2008 werden es fünf bis neun Flugzeuge weniger sein als vorgesehen und 2009 fünf weniger.

Bisher wollte Airbus in diesen beiden Jahren 35 beziehungsweise 45 Flugzeuge an die Kunden übergeben. Bestellt sind bislang von 16 Kunden 159 Exemplare des Jets, der pro Stück 250 Millionen Euro kostet. Das reicht aber noch nicht, um die Entwicklungskosten von bislang zwölf Milliarden Euro zu decken. Wann die Gewinnschwelle erreicht ist, hat Airbus noch nicht erklärt, Schätzungen zufolge muss das Unternehmen 250 der Großraumflugzeuge verkaufen.

Für EADS wird die Verzögerung im laufenden Jahr zwar keine Folgen für den Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern haben. Von 2007 bis 2010 werde dieser aber „um rund 500 Millionen Euro pro Jahr“ hinter den ursprünglichen Planungen zurückbleiben, erklärte der Konzern. Dabei sind mögliche Vertragsstornierungen für den Riesen-Airbus noch nicht berücksichtigt. Im laufenden Jahr will das Unternehmen seine Gewinnprognose jedoch einhalten.

Die EADS-Aktie stürzte mit dem Handelsauftakt am Mittwoch ab und drückte den M-Dax deutlich nach unten. Zeitweise war das Papier nur noch 16,75 Euro wert; dies war über ein Drittel weniger als am Vortag. Der Börsenwert von EADS verringerte sich damit im Vergleich um rund sieben Milliarden Euro.

Ungünstig kommt die Verschiebung für Airbus auch deshalb, weil der Konkurrent Boeing damit an Boden gewinnt. Soeben hat das US-Unternehmen eine überarbeitete Version der 747 auf den Markt gebracht. Womöglich zögern Fluggesellschaften nun, auf den technisch anspruchsvolleren A 380 umzusteigen.

Die Kunden reagierten verärgert und forderten Schadenersatz. „Wir sind enttäuscht über die erneute Verzögerung“, sagte der Deutschland-Sprecher von Singapore Airlines, Peter Tomasch. Bereits nach dem ersten Lieferverzug habe es Gespräche über Kompensationszahlungen durch Airbus gegeben. Gestern entschieden sich Singapore Airlines beim kleineren Langstreckenjet gegen das Airbus-Modell A 350. Sie bestellten bei der amerikanischen Konkurrenz für 4,5 Milliarden Dollar 20 Boeing 787 und sicherten sich Kaufoptionen für 20 weitere Maschinen.

Auch die australische Gesellschaft Qantas verlangt Entschädigung. „Wir sprechen mit Airbus über den neuen Zeitplan, Wettbewerbsfragen, Kompensationen und die Möglichkeit kurzfristiger Ersatzflugzeuge“, sagte Vorstandschef Geoff Dixon. „Wir überdenken unsere Position“, hieß es bei Emirates. Mit 45 Stück des A380 im Gesamtwert von 15 Milliarden US-Dollar ist die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten der größte Besteller. Statt im April soll sie die erste Maschine nun im Oktober nächsten Jahres erhalten. Mit einem Linieneinsatz wird nicht mehr vor Januar 2008 gerechnet.

Die Lufthansa sei „bewusst“ nicht Erstkunde für den A 380 geworden, sagte deren Sprecher Stefan Schaffrath. Man erwarte die ersten vier Maschinen bisher im Sommer 2008 und habe so „noch etwas Puffer“. Mit Airbus sei man im Dialog über mögliche Konsequenzen. Zum Thema Schadenersatz will sich die Lufthansa noch nicht äußern. mit AFP

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