Wirtschaft : Verzögerungen bei Lieferung kosten Boeing Milliarden

Juliane Schäuble

Berlin - Das könnte teuer werden. Wegen der erneuten Verzögerungen bei dem Prestigeflieger 787 Dreamliner drohen Boeing empfindliche Bußgelder. Mehrere Fluggesellschaften, darunter die australische Qantas sowie Air New Zealand und Air India, kündigten am Donnerstag bereits an, Schadenersatz von dem Airbus-Konkurrenten zu fordern. Bei Air Berlin, ebenfalls Dreamliner-Kunde, will man erst weitere Informationen von Seiten des US-Flugzeugbauers abwarten. Insgesamt haben bisher weltweit 56 Kunden 857 Stück des hochmodernen, weitestgehend aus Kunststoff bestehenden Boeing-Fliegers bestellt. Der Dreamliner ist damit das am häufigsten bestellte Flugzeug der Konzerngeschichte.

Boeing musste am Mittwoch in Seattle eingestehen, wegen Zuliefererproblemen Erstflug und Auslieferungen seines Hoffnungsträgers bereits zum dritten Mal verschieben zu müssen. Der neue Langstreckenjet soll nun erstmals im vierten Quartal des laufenden Jahres abheben. Der ursprüngliche Zeitplan verzögert sich damit um 15 Monate. Erstkunde war im April 2004 die japanische ANA mit 50 Bestellungen. Sie wird ihren ersten Dreamliner nun frühestens im dritten Quartal 2009 bekommen – statt im Mai dieses Jahres. Analysten rechnen damit, dass die Verspätungen Boeing mehrere Milliarden Dollar an Konventionalstrafen oder Zusatzrabatten kosten. Ob Kunden ihre Aufträge sogar stornieren könnten, ist offen – denn das europäische Konkurrenzmodell Airbus A 350 XWB folgt erst mit Jahren Abstand.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, die 25 Boeing 787 bestellt und eine Option auf weitere 25 Maschinen vereinbart hat, äußerte sich zurückhaltend. „Wir gehen davon aus, dass sich die Auslieferung verzögert. Boeing hat angekündigt, uns in den nächsten Tagen hierzu Genaueres mitzuteilen“, sagte Air-Berlin-Sprecherin Claudia Löffler dem Tagesspiegel. „Das warten wir ab, und danach entscheiden wir über unser weiteres Vorgehen.“ Die Flieger sollten ursprünglich 2013 ausgeliefert werden. Auch beim Tui-Konzern, der elf Dreamliner bestellt hat, wollte man sich zu möglichen Schadenersatzforderungen nicht äußern. „Aber das wird sicherlich geprüft“, erklärte ein Sprecher. Juliane Schäuble

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