Wirtschaft : Verzögerungen bringen Boeing in Bedrängnis Fluggesellschaften fordern Entschädigung

Berlin - Die spätere Auslieferung seines Hoffnungsträgers 787 Dreamliner bringt den US-Flugzeugbauer Boeing in Bedrängnis. Die australische Fluggesellschaft Qantas forderte am Donnerstag eine Entschädigung für die mindestens sechs Monate betragende Lieferverzögerung. Die hoch profitable australische Fluggesellschaft ist einer der größten Kunden des neuen Langstreckenflugzeugs.

Auch die japanische ANA, die die ersten Dreamliner erhalten sollte, denkt nach eigenen Worten über Schadenersatz nach. Boeing hatte am Mittwoch technische Probleme bei der Montage bekannt gegeben und die Lieferung auf November oder Dezember 2008 verschoben. Auch der Jungfernflug des Langstreckenjets verzögert sich weiter.

15 Dreamliner würden nicht wie geplant im August 2008, sondern erst ein halbes Jahr später ausgeliefert werden, teilte Qantas mit. Sobald Boeing dies bestätigt habe, „werden wir Verhandlungen über die Frage der Entschädigung beginnen“, erklärte Qantas-Chef Geoff Dixon. Die gesamte Bestellung der Fluggesellschaft beläuft sich auf 65 Dreamliner. Insgesamt liegen für das Modell bereits 710 Bestellungen von 50 Kunden vor.

Die Verzögerung bedeutet für Boeing einen Rückschlag im Wettlauf mit Airbus. Jedoch kämpft der europäische Rivale mit ähnlichen Schwierigkeiten: Sein Konkurrenzmodell, der Langstreckenflieger A 350, soll erst 2013 und damit fünf Jahre später ausgeliefert werden. Und auch das weltgrößte Passagierflugzeug A 380 wird an diesem Montag mit rund zweijähriger Verspätung an seinen Erstkunden Singapore Airlines übergeben. Die Verzögerungen kosteten Airbus Milliarden.

Boeing geht derzeit allerdings nicht davon aus, dass sich die Lieferverzögerung auf den Konzerngewinn auswirken wird. Bereits Ende 2009 soll die Verspätung fast aufgeholt sein: Dann sollen 109 statt 102 Maschinen ausgeliefert sein.

Die Fluggesellschaft Air Berlin, die 25 Dreamliner bestellt hat, reagierte daher auch gelassen. „Wir haben bisher keine Informationen, dass unsere Maschinen später als zum vereinbarten Termin 2013 ausgeliefert werden“, sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel dem Tagesspiegel. „Da es bis dahin noch sechs Jahre hin sind, sind wir sehr entspannt.“ AFP/jul

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