Wirtschaft : Viacom gibt bei Viva den Ton an

Amerikanische MTV-Mutter zahlt 309 Millionen Euro für Kölner Musiksender– Neuausrichtung geplant

Joachim Huber,Corinna Visser

Berlin - Der amerikanische Medienkonzern Viacom übernimmt den Kölner Musiksender Viva für rund 309 Millionen Euro. „Der Erwerb von Viva Media ist ein bedeutender strategischer Vorstoß, der unsere Position in Deutschland nachhaltig ausbaut“, sagte Viacoms Co-President Tom Freston am Donnerstag in Frankfurt am Main. Künftig befinden sich damit die beiden wichtigsten Musiksender auf dem deutschen Markt unter einem Dach.

Denn dem US-Medienkonzern gehört bereits der Viva-Konkurrent MTV. Viacom sichert sich mit der Übernahme auch den Zugriff auf eine der erfolgreichsten deutschen TV-Produktionsgesellschaften, die Viva-Tochter Brainpool, die zum Beispiel „TV-total“ und „Anke Late Night“ produziert. Nach der Übernahme will Viacom die insgesamt vier Kanäle neu positionieren. Während MTV scharze Zahlen schreibt, machte Viva mit 600 Beschäftigten 2003 einen Verlust von 42 Millionen Euro.

Rund 76 Prozent der Anteile hätten die Großaktionäre von Viva bereits an Viacom übertragen, teilte der Konzern mit. Dazu gehören unter anderem Time Warner, Universal Music und auch Viva-Chef Dieter Gorny. Den übrigen Aktionären will Viacom ein öffentliches Übernahmeangebot von 12,65 Euro pro Aktie unterbreiten. Die im S-Dax gelisteten Papiere von Viva Media stiegen am Donnerstag um 5,42 Prozent auf genau 12,65 Euro.

Die Übernahme muss von den Kartellbehörden noch genehmigt werden. Noch sei die Anmeldung nicht eingegangen, sagte eine Sprecherin des Bundeskartellamts. Zentrale Frage des Prüfverfahrens werde sein, wie der relevante Markt abzugrenzen sei. Viacom geht dabei offenbar davon aus, dass Musikfernsehen kein eigenständiger Markt ist und MTV und Viva um Werbekunden mit anderen Sendern konkurrieren, die wesentlich höhere Marktanteile besitzen. Der Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, Norbert Schneider, sagte jedoch, nach der Übernahme von ProSiebenSat1 durch Haim Saban werde dies „den deutschen Mediengesetzgeber veranlassen, zu überprüfen, ob die gegenwärtige Rechtslage, nach der man in Deutschland alles an Medien kaufen kann, was man bezahlen kann, weiterhin uneingeschränkt bleiben soll“.

Der Zusammenschluss von MTV und Viva wird erst einmal nicht zum großen Stühlerücken und Umzug führen. Dieter Gorny bleibt Chef von Viva in Köln, Catherine Mühlemann Chefin von MTV Central in Berlin. Mühlemann sagte im Tagesspiegel-Gespräch zur neuen Doppelspitze: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit, weil wir jetzt nicht mehr im Wettbewerb stehen, sondern als Partner zusammenarbeiten.“ Es werde ein „Integrations-Komitee“ mit Mitarbeitern von MTV und Viva installiert, „daraus wird sich die künftige Struktur und Organisation ergeben“. Dabei werde festgelegt, welcher Geschäftszweig in Berlin, welcher in Köln arbeiten werde. Branchenkenner erwarten, dass mindestens die Vermarktung der Sender zentralisiert wird. Berlin werde natürlich profitieren, sagte Mühlemann, „jetzt, wo sich Viacom stärker in Deutschland und damit in der Hauptstadt engagiert“. Die Musikmesse „Popkomm“ werde auf jeden Fall in diesem Herbst in Berlin stattfinden.

„Vier Musiksender sind mehr als genug. Sicherlich werden wir mit zwei, drei Musiksendern künftig gut positioniert sein“, unterstrich Mühlemann die Perspektive, dass die gemeinsamen Programme erkennbar voneinander abgesetzt werden („Viva und MTV sind sich sehr ähnlich geworden“). Drei Ziele gibt es dabei: mehr Werbeeinnahmen, höhere Zuschauerzahlen – und die Platten-Labels sollen sich in Zukunft schärfer profilieren können.

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