Wirtschaft : Viag Interkom: Mobilfunkanbieter beschleunigt Datenversand

vis

Als erster deutscher Mobilfunkanbieter bietet Viag Interkom seit Mittwoch einen schnelleren Datenversand als bisher über sein Mobilfunknetz (E2) an. Damit starte Viag Interkom in die mobile Multimedia-Welt, sagte Geschäftsführer Hans-Burghardt Ziermann in Berlin. Zukünftig werde der Kunde Inhalte aus dem Internet und andere Datendienste in unbeschränktem Umfang mobil nutzen können. Möglich wird dies durch den Einsatz des neuen Datenübertragungsstandards GPRS (General Packet Radio Service - allgemeiner Paketdatenfunk), der im Mobilfunk ähnlich hohe Datenraten wie ein herkömmlicher ISDN-Anschluss bieten soll.

Ziermann erwartet, dass die Nachfrage nach Kapazitäten zur Datenübertragung in den mobilen Netzen ähnlich dramatisch zunehmen werde wie im Festnetz. "Denn die Technik wird einfach zu nutzen sein und die Tarife werden von Anfang an auf den Massenmarkt zugeschnitten sein", sagte er. Wie auch die anderen deutschen Mobilfunkanbieter erhofft sich Viag Interkom durch GPRS eine höhere Attraktivität für den Internetzugang über das Handy. Der bisher eingesetzte Übertragungsstandard WAP (Wireless Application Protocol) erwies sich in Deutschland als Flop. Zu langsam, zu kompliziert in der Handhabung, zu wenig attraktive Angebote, lautet die Kritik. Das soll sich nun ändern. T-Mobil (D1), die Mobilfunkgesellschaft der Telekom hat ihren GPRS-Start für den 1. Februar angekündigt.

GPRS stehe ab sofort allen Viag-Interkom-Vertragskunden zur Verfügung, sagte Ziermann. Eine zusätzliche Anmeldung sei nicht nötig, eine Grundgebühr falle nicht an. Abgerechnet wird nicht mehr zeitabhängig wie bisher im Sprachdienst, sondern hauptsächlich nach der übertragenen Datenmenge. Die Internetnutzung über GPRS kostet bei Viag Interkom neun Pfennig pro zehn Kilobit und zusätzlich 49 Pfennig pro Tag. Bei der Wap-Nutzung zahlt der Kunde pro übertragener WAP-Seite neun Pfennig. "Damit ist der Abruf von Börsenkursen und anderen Informationen deutlich günstiger als heute", sagte Ziermann. Wer GPRS nutzt, erhält künftig eine zweigeteilte Rechnung: Gespräche werden nach Zeittakt und Daten nach übertragener Menge abgerechnet.

Doch zunächst werden nur wenige interessierte Kunden auch wirklich in den Genuss von GPRS kommen können. Um die schnellere Technik nutzen zu können, braucht der Mobilfunkkunde ein GPRS-fähiges Endgerät. Hier ist der Engpass: Geräte gibt es noch nicht viele und nur wenige Hersteller. Die mangelnde Verfügbarkeit von Endgeräten sei das größte Hindernis auf dem Weg zum Erfolg, sagte Ziermann. Ähnlich war das auch bei der Einführung von WAP. Immerhin habe Viag Interkom in der Startphase in seinen Filialen etwa 20 000 GPRS-Handys von Motorola zur Verfügung.

Nach GPRS kommt UMTS

Mit GPRS können Daten vom Handy statt mit bisher 9,6 Kilobit pro Sekunde mit bis zu 150 Kilobit pro Sekunde übertragen werden. Vorerst will D1 nach eigenen Angaben Datengeschwindigkeiten von bis zu 40 Kilobit pro Sekunde anbieten, später seien 100 Kilobit pro Sekunde geplant. Mit dem von Viag Interkom angebotenen Motorola-Handy können bis zu 26,8 Kilobit pro Sekunde übertragen werden. Schnellere Übertragungsgeschwindigkeiten via Handy werden frühestens Mitte 2002 möglich sein, wenn die dritte Generation des Mobilfunks UMTS eingeführt wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar