Wirtschaft : Viag kämpft mit sinkendem Gewinn - Telekommunikation ist "echte Erfolgsstory"

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Die Viag AG hat im laufenden Jahr einen Vorgeschmack auf die verschärfte Wettbewerbssituation auf dem deutschen Strommarkt bekommen. Unter dem Eindruck steigender Anlaufverluste im Telefongeschäft aber vor allem auch wegen sinkender Strompreise sei im Konzern das Vorsteuerergebnis nach neun Monaten um 13 Prozent auf 2,2 Milliarden Mark geschrumpft, gab Viag-Finanzchef Erhard Schipporeit am Donnerstag in München bekannt. Bis Jahresende könne der Rückgang auf bis zu ein Fünftel steigen. Ein Ende des Preisverfalls und damit des Drucks auf die bei der Viag dominierenden Stromgewinne sei nicht vor 2001 in Sicht, schätzte Schipporeit. Im besonders hart umkämpften Strommarkt für Privatkunden gewinne die Viag-Tochter Bayernwerk derzeit jedoch zweimal mehr Verträge als sie verliere. Bei Großkunden betrage der Preisverfall 30 Prozent und mehr.

Den Aufbau der Sparte Telekommunikation sieht Viag-Vorstandschef Wilhelm Simson als "echte Erfolgsstory", obwohl deren Anlaufverluste 1999 mit 950 (Vorjahr 550) Millionen Mark den Höchststand erreichen dürften. Bis Ende des Jahres rechne die dafür verantwortliche Tochter Viag Interkom nun mit knapp 900 000 Kunden statt früher angepeilter 700 000 Mobilfunkverträgen und einem auf 1,4 Milliarden Mark verdreifachten Umsatz. Konzernweit gingen die Viag-Erlöse nach neun Monaten 1999 bereinigt um Verkäufe um fünf Prozent auf 28,4 Milliarden Mark zurück. Im Zuge der Fusion wollen Viag und Veba weitere Geschäftsteile mit einem Umsatz von etwa 55 Milliarden Mark abgeben. Das könnte bis zu 30 Milliarden Mark in die schon jetzt gut gefüllten Kassen bringen, schätzte Schipporeit. Seitens der Viag stehe ein Verkauf der Töchter Gerresheimer Glas sowie Klöckner & Co wohl noch vor Sommer 2000 bevor. Für die Viag-Tochter VAW Aluminium sei in Zukunft ein Börsengang möglich. Vorwiegend wegen Verkäufen sank die Zahl der Viag-Mitarbeiter bis Ende September dieses Jahres um 19 000 Personen auf 81 000 Mitarbeiter.

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