Wirtschaft : Viag sagt Milliardenfusion mit Algroup ab

MÜNCHEN (tmh).Die geplante Großfusion zwischen der Münchner Viag AG und der Schweizer Algroup wird abgeblasen."Die Viag geht davon aus, daß der Merger geplatzt ist," sagte ein Konzernsprecher nach einer Aufsichtsratssitzung in München.

Grund für das bedauerliche Scheitern seien Differenzen über das Wertverhältnis beider Mischkonzerne.Ein nun vorliegendes, formelles Wertgutachten habe eine Relation von 67,5 Prozent (Viag) zu 32,5 Prozent (Algroup) ergeben.Davon könne und wolle man nicht abrücken, hat der Viag-Aufsichtsrat jetzt beschlossen.Andernfalls seien berechtigte Klagen benachteiligter Viag-Aktionäre zu erwarten, fürchten die Münchner.Andererseits pochen die Eidgenossen auf ein Verhältnis von 65 zu 35 Prozent.Sollte daran gerüttelt werden, platzt die Fusion, drohte der designierte Algroup-Verwaltungsratschef Martin Ebner, der als Großaktionär offiziell gut ein Fünftel der Algroup-Aktien hält.Nach diesen klaren Äußerungen sehen die Münchner für eine Verschmelzung keine Basis mehr.

Das von den Schweizern beanspruchte Umtauschverhältnis sei im November 1998 nur auf Basis einer vorläufigen Bewertung erstellt worden, sagt die Viag.Auch eine Relation von 70 zu 30 sei damals erwogen worden.Das jetzt auf dem Tisch liegende Gutachten habe eine größere Werthaltigkeit der Viag ergeben als zuletzt geschätzt.An bloße Drohgebärden aus der Schweiz hinsichtlich der Tauschrelationen glaubt die Viag-Spitze nicht."Die Quote ist das Aus für den Deal," heißt es im Viag-Aufsichtrat.Eine Aussicht auf Rettung gebe es nicht.

Bei den Bewertungsdifferenzen, die die Großfusion jetzt zu Fall gebracht haben, geht es um einen Betrag von rund zwei Mrd.DM, sagte ein Viag-Sprecher.Insbesondere der Freistaat Bayern, der ein Viertel der Viag-Aktien hält, werde sich nicht mit einer Relation von 65 zu 35 Prozent begnügen, nur um die Fusion zu retten, hieß es in Finanzkreisen.Bei einer turbulenten Sitzung des Algroup-Verwaltungsrats am vergangenen Wochende konnte ein Scheitern der Fusion gerade noch verhindert werden."Eine überwiegende Mehrheit im Verwaltungsrat ist der Auffassung, daß die Verhandlungen mit dem Ziel eines erfolgreichen Abschlusses weitergeführt werden sollten," sagte der kommissarische Voritzende des Gremiums, Max Amstutz, in Zürich.Dafür hätten sich Algroup-Großaktionäre ausgesprochen, nachdem zuvor mehrere Verwaltungsräte, darunter ihr Vorsitzender Theodor Tschopp, ihren Rücktritt bekanntgegeben hatten.Allerdings könne es nur zur Verschmelzung kommen, wenn das im November 1998 ausgehandelte Umtauschverhältnis von Viag- und Algroup-Aktien in Papiere des neuen Konzerns von 65 zu 35 Prozent bestehen bleibe, schränkte Amstutz ein.Er pochte gegenüber der Viag auch auf "unternehmerische Freiheit", ohne das näher zu definieren.Ursprünglich wollten Viag und Algroup bis kommenden August zum dann sechstgrößten Industriekonzern Deutschlands mit rund 53 Mrd.DM Umsatz und 130 000 Mitarbeitern fusionieren.Die Börsen reagieren auf das Wackeln der Fusion seit mehreren Tagen mit steigenden Viag-Kursen.

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