Wirtschaft : Viag schielt auf Baden-Württemberg

Telekommunikationsbereich wird ausgebaut / Bei der Bewag entfallen 2300 Arbeitsplätze

MÜNCHEN (tmh).Deutschlands größter Mischkonzern, die Viag AG, München, hat seine Einkaufstour noch nicht beendet und will in Baden-Württembergs Stromwirtschaft einsteigen."Natürlich haben wir Interesse," sagte Viag-Chef Georg Obermeier am Donnerstag in München mit Blick auf die vor der Fusion zur Energie Baden-Württemberg (EBW) AG stehenden Badenwerk AG und Energieversorgung Schwaben Holding AG.Das Land wäre mit gut 25 Prozent größter EBW-Einzelaktionär und plant dem Vernehmen nach eine Privatisierung dieser Anteile noch vor dem Jahr 2000.Mit EBW und Bayernwerk würden sich die Nummer vier und fünf der deutschen Stromwirtschaft verbünden. Obermeier rechnet mit weiteren nationalen und internationalen Interessenten für die EBW, die allein im Stromgeschäft rechnerisch 6,5 Mrd.DM umsetzt und knapp 9000 Mitarbeiter zählt.Zudem könne es Probleme mit dem Kartellamt geben.Auch politisch müsse eine Verflechtung gewünscht werden.Gemeinsame Interessen sieht Obermeier in der Kernenergie.Wenn die Weichen in der Stromwirtschaft Baden-Württembergs neu gestellt werden, wolle Viag ihre Möglichkeiten nutzen, zum Zug zu kommen.Vorerst habe Viag mit der mehrheitlichen Übernahme des bayerischen Stromkonzerns Isar-Amperwerke AG (IAW) und dem nun vom Kartellamt abgesegneten Aufstocken der Anteile beim Berliner Stromversorger Bewag AG ihre wichtigsten strategischen Ziele auf dem Energiesektor erreicht. Berichte, nach denen bei der IAW binnen sechs Jahren mit knapp tausend Arbeitsplätzen rund ein Drittel aller Stellen gestrichen werde, nannte Obermeier eine "Tartarenmeldung", dementierte sie aber nicht.Jeder Abbau werde im übrigen sozialverträglich geregelt.Sowohl das Bayernwerk als auch Isar-Amper haben indessen den Abbau bestätigt.Bei der Berliner Bewag werde es über den dort bereits geplanten Abbau von rund 9300 auf etwa 7000 Stellen hinaus keine weiteren Arbeitsplatzverluste geben, betonte Obermeier.Im gesamten Viag-Konzern hat die Belegschaft im ersten Halbjahr 1997 bereinigt um Zu- und Verkäufe um zwei Prozent, das sind über 1600 Stellen, abgenommen, teilte Viag in einem Zwischenbericht mit.Zudem stünden in allen Konzernsparten Kostensenkung permanent auf der Tagesordnung. Stellen geschaffen werden in dem im Aufbau stehenden Bereich Telekommunikation.Wann der dortige Aufbau den Abbau in anderen Geschäftsfeldern übertreffen wird, wollte Obermeier nicht sagen.Insgesamt beschäftigte Viag Ende Juni 1997 weltweit 87 140 Mitarbeiter. In Umsatz und Ergebnis steht die Viag 1997 vor einem neuen Rekordjahr.Das Ergebnis vor Steuern sprang zum Halbjahr um 28 Prozent auf 1,5 Mrd.DM und soll bis Jahresende trotz Anlaufverlusten in der Telekommunikation von 700 Mill.DM bis Mitte 1998 die Zuwachsrate in etwa halten, sagte Obermeier.Ergebnispotential sieht er unter anderem zwischen Bayernwerk und IAW mit einem Volumen von 700 Mill.DM jährlich.Der größte Teil davon solle noch dieses Jahr realisiert werden. Unter dem Strich bringe 1997 ein prozentual zweistelliges Ergebnisplus, zu dem operativ vor allem das Bayernwerk und die Chemie-Tochter SKW Trostberg AG beitragen.Der Konzernumsatz legte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres bereinigt um Zu- und Verkäufe um sieben Prozent auf 23,8 Mrd.DM zu und soll bis Jahresende knapp 50 (Vorjahr 42,4) Mrd.DM erreichen.Die Investitionen sprangen bei Viag, bedingt durch Akquisitionen, im ersten Halbjahr von 0,97 auf 4,85 Mrd.DM.

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