Wirtschaft : Viag und Algroup verhandeln

MÜNCHEN (tmh).Der Mischkonzern Viag AG, München, steht in Kooperationsgesprächen mit der Schweizerischen Alusuisse-Lonza Group (Algroup) AG, Zürich.Während die Schweizer derartige Pläne bestätigten, gaben die Bayern offiziell keinen Kommentar ab.Der neue Viag-Chef Wilhelm Simson hatte allerdings erst vor kurzem eine neue Firmenstrategie vorgestellt, deren Bestandteil auch Zukäufe oder Teilfusionen in angestammten Geschäftsfeldern sind.

Die Schweizer Industriegruppe ist wie die Viag in den Bereichen Verpackung, Aluminium und Chemie tätig."Das würde ideal passen", heißt es in München hinter vorgehaltener Hand.Genau diese Bereiche wolle Simson stärken, um die Abhängigkeit der Viag von ihrem Energiebereich zu verringern.Ob die zwischen den beiden Konzernen laufenden Gespräche eine Zusammenarbeit in einzelnen Geschäftsfeldern, eine Übernahme oder eine Fusion zum Inhalt haben, ist offen.Es würden verschiedene Möglichkeiten zur Kooperation erörtert, teilte Alussuisse mit.Konkrete Vereinbarungen gebe es noch nicht.

Vorbehalte äußern Branchenkenner wegen des mit knapp 12,5 Mrd.DM hohen Börsenwerts der Schweizer.Eine Übernahme können die Bayern wohl nur per Aktientausch finanzieren.Ein Kauf würde vermutlich auch die hohe Viag-Finanzkraft überfordern.In diversen Medienberichten ist von konkreten Detailgesprächen zwischen Viag-Chef Wilhelm Simson und Algroup-Chef Sergio Marchionne die Rede.Beide Manager würden eine Fusion nach dem Vorbild von DaimlerChrysler verhandeln, wobei bereits weitgehend Einigkeit bestehe.Offen seien die Bewertung beider Konzerne, also das Umtauschverhältnis der jeweiligen Aktien, und steuerliche Fragen.Sitz des fusionierten Großkonzerns sei voraussichtlich München.Nach fünf Jahren solle der heute 60jährige Simson vom 46jährigen Marchionne als gemeinsamer Konzernchef abgelöst werden.Die Viag wäre mit rund 50 Mrd.DM Konzernumsatz und einem Börsenwert von rund 31,5 Mrd.DM in diesem Jahr mutmaßlich der Seniorpartner eines Zusammengehens beider Gruppen.Die Münchner hatten zuletzt von einer für Akquisitionen zur Verfügung stehenden "Kriegskasse" von sieben Mrd.DM gesprochen.Durch den bevorstehenden Verkauf des gesamten Geschäftsbereichs Logistik werden der Viag auf Sicht weitere Finanzmittel zufließen.Konkrete Kandidaten für die beabsichtigten Zusammenschlüsse hatte Simson zuletzt nicht genannt.Er machte jedoch klar, daß die Viag vor allem im zuletzt stark bereinigten Geschäftsfeld Verpackung auf Zukäufe aus ist.Auch die Chemie-Tochter SKW Trostberg AG sei für neue Übernahmen offen.Letztliches Ziel sei es, die Gewinne seines Konzerns mittelfristig zu gleichen Teilen auf die beiden Säulen Strom- und Industriegeschäft zu verteilen.Bislang lebt die Viag mit ihren gut 100 000 Mitarbeitern vor allem von Energiegewinnen rund um ihre Tochter Bayernwerk AG.

Algroup ist ein profitables Unternehmen und hat 1997 mit rund 30 000 Mitarbeitern umgerechnet gut 560 Mill.DM Gewinn erwirtschaftet.Dabei setzten die Schweizer umgerechnet knapp elf Mrd.DM um.Zum Halbjahr 1998 konnten sie ein achtprozentiges Umsatzwachstum und einen um 17 Prozent verbesserten Betriebsgewinn erzielen.

Die Algroup-Aktie stieg nach Bekanntwerden der Gespräche an den Börsen klar an, während das Viag-Papier unter Druck geriet.Analysten halten die Algroup derzeit für hoch bewertet.Eine Übernahme könne der Viag sehr teuer kommen.Die Münchener stehen zwar vor einem neuen Rekordjahr, müssen aber noch auf Jahre hinaus hohe Anlaufverluste für ihr im Aufbau begriffenes Geschäftsfeld Telekommunikation verkraften.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben