Wirtschaft : Viag und Alusuisse für Fusion gut gerüstet

MÜNCHEN / ZÜRICH (tmh).Der Mischkonzern Viag und die Schweizer Alusuisse-Lonza-Gruppe gehen mit Rekordergebnissen in ihre Fusion zu einem der größten Industrieriesen Europas.Beide Konzerne rechnen auch für 1999 mit weiteren Zuwächsen.Der geplante Zusammenschluß bis zum August werde den Konzern in eine "neue Ergebnisdimension" hineinwachsen lassen, teilte die Viag AG, München, am Freitag mit.Bei der Viag stieg das operative Ergebnis vor Steuern 1998 trotz Unternehmensverkäufen und der planmäßigen Anlaufverluste in der Telekommunikation um zehn Prozent auf 3,2 Mrd.DM.Den Aktionären winkt eine zwei DM höhere Dividende von 16 DM.Die Börse reagierte auf die neuen Zahlen mit einem Anstieg des Kurses von zeitweise bis zu vier Prozent auf rund 500 Euro - später bröckelte der Kurs.Der Viag-Konzernumsatz lag 1998 mit 49,2 Mrd.DM knapp unter Vorjahresniveau (49,5 Mrd DM).Bereinigt um Zu- und Verkäufe sei ein Umsatzplus von vier Prozent erzielt worden.Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern sank vor allem durch Unternehmensverkäufe 1998 um elf Prozent auf 85 000 - knapp die Hälfte arbeitet im Ausland.

Auch die Alusuisse-Lonza-Gruppe steigerte ihren Nettoumsatz um 5,4 Prozent auf rund 8,6 Mrd.Franken (10,4 Mrd DM).Der Reingewinn sei um 14,5 Prozent auf 530 Mill.Franken gewachsen, sagte Vorstandschef Sergio Marchionne in Zürich."Dies ist für uns wichtig, nicht nur weil es ein Rekordergebnis darstellt, sondern auch weil es fast vollständig durch internes Wachstum erzielt wurde." Vorgeschlagen wird eine Dividende von 25 Franken je Aktie, was 25 Prozent des Nennwertes entspricht.Im Vorjahr hatte das Unternehmen den Nennwert der Aktie von 125 auf 100 Franken reduziert und statt einer Dividende eine Nennwertrückzahlung von 25 Franken gezahlt.

Die Fusion der beiden in den Bereichen Aluminium, Verpackung, Spezialchemie, Energie und Telekommunikation tätigen Mischkonzerne soll am 20./21.Mai auf getrennten Hauptversammlungen von den Aktionären gebilligt und bis August abgeschlossen werden.Die Vorbereitungen liefen planmäßig, sagte Marchionne.Derzeit werde an der finanziellen und rechtlichen Sorgfaltsprüfung gearbeitet.

Vorstandschef des neuen Industrieriesen mit über 120 000 Beschäftigten wird der 60jährige Viag-Chef Wilhelm Simson, Stellvertreter der 46jährige Marchionne.Die Fusion soll Synergien von 600 Mill.DM innerhalb der nächsten drei Jahre bringen.

Im Zuge des Zusammenschlusses will die Viag die Straffung ihrer Konzernstruktur vorantreiben.Das Unternehmen werde sich wie geplant mittelfristig vom Logistikbereich trennen."Zugleich streben wir bei den bisher nur mehrheitlich gehaltenen Aktivitäten an, den unternehmerischen Durchgriff durch Ausbau der Beteiligungen zu verbessern", hieß es.Zur Logistik-Sparte der Viag zählen die Stahlhandels-Tochter Klöckner & Co (9,6 Mrd.DM Umsatz) und eine 30,3-Prozent-Beteiligung am Transport-Konzern Kühne & Nagel.Die Verhandlungen über eine Übernahme von Klöckner durch Thyssen waren im Januar gescheitert.

Zur guten Entwicklung bei der Viag 1998 hätten vor allem die Bereiche Energie und Aluminium beigetragen.So sei der Umsatz der VAW Aluminium bei einem Rekordergebnis um 14 Prozent auf 5,8 Mrd.DM (bereinigt plus vier Prozent) gewachsen.Die Energietochter Bayernwerk erzielte rechnerisch sieben Prozent höhere Erlöse von elf Mrd.DM, ohne die Akquisitionen blieben sie stabil.Im Telefongeschäft mußte die Viag dagegen 1998 wie geplant Defizite von 700 Mill.DM verkraften.Für das laufende Jahr korrigierte eine Viag-Sprecherin die zu erwartenden Telekom-Anlaufverluste um 100 Mill.DM auf rund 900 Mill.DM nach oben.

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