Wirtschaft : Viag will Telefonieren billiger machen

Zukäufe im Energiebereich geplant / Der Mischkonzern soll 1998 weiter privatisiert werden MÜNCHEN (tmh).Der Umbau des Münchner Mischkonzerns Viag AG ist noch nicht zu Ende."Wir werden jedes Jahr Portfolio-Veränderungen haben", sagte Viag-Chef Georg Obermeier in München bei der Bilanzvorlage.Er bekräftigte, daß die Münchner Viag-Tochter Computer 2000 AG an den US-Konzern Tech Data verkauft wird.Jüngste Spekulationen, es sei darüber im Management zum Streit gekommen, seien falsch.Mit dem Verkauf hat sich Viag seit 1994 von Geschäften mit einem Umsatz von 16 Milliarden DM getrennt.Da die Münchner für ihre Anteile am deutschen Computerhändler Aktien (vier Prozent) und Aktienoptionen (neun Prozent) an Tech Data erhalten, müsse der Abschied vom Computerhandel kein endgültiger sein, sagte Obermeier.Man werde Tech Data und Computer 2000 weiter beobachten und eventuell eine Mehrheit am US-Konzern anstreben.Fest geplant sind Zukäufe im Energiebereich, dem Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens: Rund um das Bayernwerk sieht Obermeier gute Übernahmechancen im Bereich kommunaler Energieversorger sowie international in Österreich, Norditalien und Tschechien.Interesse an einem Einstieg in die Stromversorgung Baden-Württembergs hatte er bereits früher bekundet.In konkreten Kaufverhandlungen stehe die Sparte Chemie rund um die SKW Trostberg AG.Der Spartenumsatz soll bald von sieben auf zehn Milliarden DM steigen.Insgesamt verfüge die Viag für ihre Expansionspläne über eine "Kriegskasse" von gut sieben Milliarden DM.Beim Hoffnungsträger Telekommunikation will Viag trotz jüngster Verzögerungen im Jahr 2001 die Gewinnschwelle erreichen.Ab Spätsommer 1998 soll die Beteiligung Viag Interkom Mobilfunk anbieten und das Preisniveau in Deutschland auf europäisches Niveau absenken.Obermeier rechnet mit einem mindestens 20-prozentigen Rückgang der Mobilfunktarife.Die Sparte, die ihre Anlaufverluste 1998 auf 700 Millionen DM verdoppeln dürfte, soll in ganz Mitteleuropa aktiv werden.Bewegung wird auch in die Aktionärsstuktur der Viag selbst kommen.Der Freistaat Bayern hält 25,1 Prozent der Anteile, die er nach Angaben von Ministerpräsident Edmund Stoiber in der kommenden Legislaturperiode ab Ende 1998 stufenweise verkaufen will.Obermeier rechnet damit, daß die Aktien im Wert von derzeit sieben Milliarden DM an einen oder mehrere Großaktionäre gehen und "strategisch plaziert" werden.Dabei soll es zu einem "Durchbruch" im Geschäftsfeld Energie oder Telekommunikation kommen.Spekuliert wird nun über einen Einstieg der British Telecom bei Viag, die mit den Münchnern bereits beim Aufbau des Telefongeschäfts kooperieren.Indessen kündigt sich 1998 ein erneuter Rekordabschluß des Gesamtkonzerns an.Die Umsätze sollen vorbehaltlich des Verkaufs der Computer 2000 prozentual zweistellig steigen.Im Vorjahr wuchs der Viag-Umsatz bereinigt um Zukäufe um zehn Prozent auf 49,5 Milliarden DM.Die Gewinne sollen operativ 1998 ebenfalls zulegen und wegen einem außerordentlichen Gewinn durch den Verkauf von Computer 2000 insgesamt überproportional steigen.1997 verbesserte der Konzern seinen Jahresüberschuß um 15 Prozentpunkte auf 1,2 Milliarden DM.Die Dividende will Obermeier für 1998 offenbar konstant halten, nachdem sie zuletzt um zwei DM auf 14 DM je Aktie erhöht wurde.Mittlerweile profitiert auch das Personal.Im Vorjahr wurde die Zahl der Mitarbeiter bereinigt um Zukäufe um zwei Prozent auf über 95.500 Personen erhöht.Dieses Jahr sollen nochmals rund 3.000 Stellen geschaffen werden.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar