Wirtschaft : Viagra bald nicht mehr im Internet?

Bundesratsinitiative gegen Pillenversand

Maren Peters

Berlin - Viagra und andere rezeptpflichtige Arzneimittel sollen nach dem Willen des nordrhein-westfälischen Sozialministers Karl-Heinz Laumann (CDU) künftig nicht mehr online gehandelt werden. „Wir wollen erreichen, dass verschreibungspflichtige Medikamente nicht mehr über das Internet verschickt werden können“, sagte Benedikt Wolbeck, Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums, dem Tagesspiegel. Immer mehr Medikamente würden gefälscht. Eine entsprechende Bundesratsinitiative des Landes Nordrhein-Westfalen sei in Vorbereitung, sagte der Sprecher. Wann der Entwurf eingebracht werden soll, sei aber noch nicht absehbar, die Abstimmungen im Land liefen noch.

„Das würde uns empfindlich treffen“, sagte Ralf Däinghaus, Chef des Pillenversenders Doc Morris. Die bekannteste Versandapotheke Deutschlands, die ihren Sitz in Holland hat, erzielt nach Angaben Däinghaus’ rund 80 Prozent ihres Umsatzes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Allerdings erwartet er, dass ein entsprechender Gesetzesantrag weder im Bundesrat noch im Bundestag eine entsprechende Mehrheit finden würde. Unterstützung findet der Antrag bisher nur in Bayern und Baden-Württemberg.

In Deutschland liegt der Anteil gefälschter Arzneimittel dank strenger Regulierung unter einem Prozent. Illegale Pillen tauchen aber nicht nur im Internet auf. „Wir haben den Eindruck, dass Fälschungen zunehmen, nicht nur bei Viagra und nicht nur im Internet“, sagte Andreas Penk, Deutschland-Chef des Viagra-Herstellers Pfizer, dem Tagesspiegel. In England hatten die Behörden vor zwei Jahren gefälschte Tabletten des Pfizer-Cholesterinsenkers Sortis in der normalen Handelskette gefunden.

Hauptgegner des Pillenversands sind nicht die Hersteller, sondern die Apotheker, die Umsatzeinbußen befürchten und die Online-Konkurrenz mit Klagen überziehen. Gerade entscheidet der Bundesgerichtshof darüber, ob der Versandhandel von Doc Morris in Deutschland zulässig ist. Das Berliner Kammergericht hatte dies 2004 noch untersagt, inzwischen hat sich die Gesetzeslage aber geändert. Der BGH will sein Urteil am 20. Dezember bekannt gegeben. Maren Peters

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