Viel Ausdauer : Potash strebt weiter K+S-Übernahme an

Potash-Chef Jochen Tilk hält weiter an seinem Angebot von 41 Euro pro Aktie fest - und verspricht sowohl Arbeitsplätze als auch Standorte zu halten. Doch bisher zögert K+S.

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Der gebürtige Saarländer Tilk sitzt bei Potash seit 2014 im Chefsessel.
Der gebürtige Saarländer Tilk sitzt bei Potash seit 2014 im Chefsessel.Foto: dpa

Der kanadische Düngemittelkonzern Potash Corporation of Saskatchewan hält an den Plänen fest, den deutschen Rohstoffkonzern K+S zu übernehmen. Die bisher ablehnende Haltung der K+S-Führung schreckt die Kanadier nicht ab. Der Mann hinter dem Potash-Vorstoß, der deutschstämmige Potash-Chef Jochen Tilk, hat Ausdauer nicht nur in geschäftlichen Angelegenheiten: Der passionierte Langstreckenläufer Tilk strebt weiter eine Verständigung mit den Kasselern über eine „freundliche“ Übernahme an.

Zu niedriges Angebot

Trotz eines schwachen zweiten Quartals für Potash lässt Tilk sich hiervon nicht abbringen. Zwar haben die Kanadier noch nicht entschieden, ob sie ein offizielles Übernahmeangebot für K+S vorlegen werden. Aber Tilk machte jetzt bei der Präsentation der Quartalszahlen deutlich, dass eine Kombination beider Unternehmen aus seiner Sicht Vorteile für beide Seiten bringen würde. Ein Zusammenschluss böte eine „stabilere und sicherere“ Grundlage in einem von hartem Wettbewerb geprägten Markt, meint er. Anfang Juli hatte das Unternehmen aus der kanadischen Provinz Saskatchewan K+S die Übernahme angeboten. Aber der offerierte Preis von 41 Euro pro Aktie war K+S-Chef Norbert Steiner zu niedrig. Auch fordern die Kasseler Zusagen über den Erhalt der deutschen Kali-Minen und der Arbeitsplätze und die Fortführung des Salzgeschäfts. Er sei bereit, dazu „bindende Verpflichtungen“ abzugeben, sagte Tilk.

Kalimine wird wie geplant fertiggestellt

Das Angebot von 41 Euro bezeichnet Tilk als fair. An die Adresse von K+S-Arbeitnehmer und Gemeinden, in denen K+S produziert, betont er erneut, der Übernahmevorschlag gründe sich nicht auf den Abbau von Arbeitsplätzen, die Stilllegung von Minen oder den Verkauf des Salzgeschäfts. Potash wolle das Geschäft in Deutschland nach einer Übernahme „in der gleichen Weise wie K+S“ führen. Auch die im Bau befindliche Kalimine von K+S in Saskatchewan solle fertiggestellt und als Teil des Potash-Portfolios betrieben werden. Im Frühjahr 2014 war Jochen Tilk zum Präsidenten und Chief Executive Officer (CEO) von Potash berufen worden, eines der weltweit größten Unternehmen der Düngemittelbranche. Auf der Potash-Website stellte er sich vor und half Lesern und Hörer, seinen Namen richtig auszusprechen: „Jochen mit ’ch’ und ’Tilk’ ohne rollendes ’l’“. Einige persönliche Informationen fügt er hinzu: „Geboren und aufgewachsen in Deutschland“, Studium an der Universität von Aachen und Abschluss mit einem Diplom als Bergbauingenieur.

Der 50-jährige Tilk stammt aus dem Saarland. Nach seinem Studium hatte er im europäischen Kohlenbergbau gearbeitet. Und „dort wurde meine Leidenschaft für Bergbau geweckt“, erzählt er. Er ging nach Südamerika, arbeitete in einer Eisenerzmine in Brasilien und kam vor etwa 25 Jahren nach Kanada zum Bergbaukonzern Inmet Mining. 24 Jahre blieb er bei Inmet und war von 2009 bis 2013 deren Präsident und CEO.

"Laufen ist Balance zwischen Arbeit und Privatem"

Tilk macht wenig Aufhebens um seine Person, anders als sein lautstarker, als „bombastisch“ beschriebener Vorgänger, der US-Amerikaner Bill Doyle. Ein wenig Einblick gibt Tilk, der nach der Übernahme der Potash-Führung mit seiner Frau Denise nach Saskatoon zog, dann doch. Er fühlt sich wohl in der Präriestadt, die ihm mit einem umfangreichen Netz an Wegen die Möglichkeit gibt, seinem Hobby zu frönen, dem Langlauf. „Laufen ist seit mindestens 25 Jahren meine Leidenschaft. Es ist eine fantastische Art, eine Balance zwischen Arbeit und dem Privatleben zu schaffen.“ An Sonntagen läuft er gerne 30 Kilometer. „Ich liebte immer den Aspekt der Ausdauer“, erzählt er einem Reporter der Regionalzeitung StarPhoenix. Ende Mai lief er in Saskatoon einen Marathon. Er war auch beim Boston-Marathon am 15. April 2013 am Start. Einige Stunden nachdem er den Lauf beendet hatte, detonierte im Zieleinlauf eine Bombe, die drei Menschen tötete. Im nächsten Jahr war er wieder dabei. Jochen Tilk hat gezeigt, dass er einen langen Atem und Ausdauer hat. Es sind Eigenschaften, die er im Übernahmekampf um K+S brauchen wird.

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