Wirtschaft : Viel gebucht ist nur halb gewonnen

Fahrgastverbände fordern mehr Billigplätze bei der Bahn und wollen eine große Reform für den Regionalverkehr

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Berlin (hop). Fahrgast und Umweltverbände fordern weitere Reformen am neuen Bahnpreissystem. Die große Zahl an Tickets, die die Bahn für die Weihnachtszeit verkauft hat, belegt kaum den Erfolg der neuen Tarife. „Wer zu Weihnachten fahren wollte, hat sich schon immer sehr früh Platzkarten besorgt, weil die Züge zu der Zeit voll sind – auch in dem alten System“, sagte Karl-Peter Naumann, der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, dem Tagesspiegel. Die Deutsche Bahn hatte sich dagegen mit dem Start ihres neuen Bahnpreissystems zufrieden gezeigt und die Verkaufzahlen für die Weihnachtszeit angeführt. Seit dem 1. November können Fahrkarten mit Frühbucherrabatten, den so genannten Plan & Spar-Preisen, gekauft werden, die ab dem 15. Dezember gelten. 40 000 Kunden haben sie allein in den ersten drei Tagen gekauft.

Daniel Kluge, Sprecher des Verkehrsclub Deutschlands (VCD), bleibt dennoch skeptisch: „Die Euphorie, die die Bahn aus den bisherigen Verkaufszahlen ableitet, können wir nicht teilen.“ Für eine verlässliche Aussage, ob die Kunden das neue System annehmen, seien mindestens die Erfahrungen der nächsten zwei, drei Monate nötig. Vor allem werfe der Umstand Fragen auf, dass schon jetzt in einigen Zügen die Plan & Spar-Kontingente ausverkauft sind. „Gibt es wirklich so große Mengen an Billigtickets wie von der Bahn versprochen?“, fragte Kluge.

Knappe Rabatte

Die Bahn gibt an, dass durchschnittlich 60 Prozent der Plätze für Plan &Spar-Preise zur Verfügung gestellt werden sollen. Für die Billigplätze ist ein Rabatt von bis zu 40 Prozent möglich, wenn die Tickets spätestens sieben Tage vor Abfahrt gekauft werden. Bei Verbindungen, die schon vorher sehr stark nachgefragt wurden – zum Beispiel am Freitagnachmittag –, wird das Plan & Spar-Kontingent aber auf ein Minimum von bis zu zehn Prozent reduziert. „Den Markt für Frühbuchertickets hat die Bahn sehr richtig erkannt“, lobte Naumann von Pro Bahn die Einführung von Plan & Spar. „Der alte Supersparpreis lohnte sich nur für sehr lange Strecken.“ Tilmann Heuser, Bahnexperte des Naturschutzverbands BUND, sagte: „Plan & Spar dürfte bei vielen, die vorher weniger Bahn gefahren sind, gut ankommen.“

Umstritten sind jedoch die Stornogebühren von bis zu 45 Euro. Die Bahn rechtfertigt die Höhe damit, dass Plan & Spar-Kontingente sonst von Reisebüros und Firmen im großen Stil aufgekauft werden – und dann dem einzelnen Kunden am Bahnschalter nicht mehr zur Verfügung stehen. BUND-Experte Heuser erwartet jedoch, dass es zumindest zu einer Staffelung nach den einzelnen Arten der Plan & Spar-Preise kommen wird. Neben einem Rabatt von 40 Prozent gibt es sechs bis zwei Tage vor Abfahrt noch 25 Prozent und einen Tag zuvor zehn Prozent. Trotz der unterschiedlichen Ersparnis sind bei einer Umbuchung oder Stornierung bei allen drei Rabatt-Tickets 45 Euro Gebühr fällig. Fahrgastvertreter Kluge sagte, spätestens am 15. Dezember werde es starken Widerstand der Kunden gegen die Gebühr geben.

Deutliche Veränderungen fordern die Verbände auch im Regionalverkehr. „An den verrückten Preisen dort hat sich nichts geändert“, kritisiert Pro-Bahn-Vertreter Naumann. Viele Kunden – zum Beispiel Pendler – nutzen Fernverkehrszüge im Regionalverkehr, doch auf kurzen Strecken stiegen die Preise für Fernverkehrszüge. Außerdem drohen in einigen Fällen Preiserhöhungen, da eine Reihe von Interregios im Dezember durch Intercitys oder ICEs ersetzt werden. „Die Grenze zwischen Nah- und Fernverkehr, die hier gezogen wird, gibt es nicht.“

BUND-Sprecher Heuser sagte, dieses Problem zu lösen, sei auch Aufgabe der Länder. Schließlich bestellen die Länder bei der Bahn – oder ihren Konkurrenten wie Connex – Leistungen auf Regionalstrecken. Ein erster positiver Aspekt sei nun, dass der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg die neue Bahncard anerkennen werde. Ebenfalls gut sei der neue Regionaltarif, der in Schleswig-Holstein eingeführt wird. Ziel müssten jedoch bundeseinheitliche Standards sein.

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