Wirtschaft : Viel Geld für wenig Wind

Strom aus den erneuerbaren Energien Wind und Sonne kostet den Verbraucher Milliarden

Bernd Hops

Das Wetter hat nicht nur Betreibern von Atomkraftwerken einen Strich durch ihre Rechnung gemacht. Während jüngst darüber nachgedacht wurde, Atommeiler wegen zu hoher Temperaturen abzuschalten, fällt ein anderer Energieträger bereits seit Monaten weitgehend aus: Windenergie. Die Windverhältnisse in Deutschland sind wie schon im vergangenen Jahr schlecht. Trotzdem bleibt Windkraft ein Lieblingsprojekt der rot-grünen Energiepolitik.

Die Förderung regenerativer Energieträger lässt sich Deutschland einiges kosten. Zwar gibt es keine direkten Subventionen. Per Gesetz muss aber jeder Verbraucher zahlen, ob er umweltfreundlichen Strom haben will oder nicht. Nach der vom Umweltministerium jüngst vorgelegten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) erhält der Betreiber einer Windmühle für Strom aus seiner Anlage mindestens 5,5 Cent je Kilowattstunde (kWh). Ein modernes Gaskraftwerk produziert die gleiche Menge Strom schon für drei Cent. Absoluter Förderungsspitzenreiter ist die Solarenergie, bei der die Einspeisung von einer kWh ins öffentliche Netz mit mindestens 43,4 Cent vergütet wird, je nach Größe und Standort gibt es noch einen Aufschlag von bis zu 15,6 Cent.

Die Vergütungen nach dem EEG werden nach Inbetriebnahme einer Anlage von Jahr zu Jahr reduziert. Doch mit dem Ausbau erneuerbarer Energien steigen die Belastungen durch das EEG. Sie liegen nach Berechnungen des Umweltministers im kommenden Jahr schon bei drei Milliarden Euro – und steigen bis 2014 auf 5,5 Milliarden Euro. Umgelegt auf den Strompreis bedeutet das je kWh einen Aufschlag von 0,35 Cent. In der Zukunft sollen es maximal 0,45 Cent sein. Einziger Trost des Ministeriums: In den kommenden Jahren werde Strom ohnehin teurer. Irgendwann zwischen 2010 und 2020 sei dann Strom aus Kohle genauso teuer wie der aus Wind.

Heute kassiert die meisten EEG-Mittel aber noch die Windkraft. 2004 werden es nach Schätzungen des Umweltministeriums etwa 2,3 Milliarden Euro sein, Anfang 2010 – dem erwarteten Förderhöhepunkt – etwa 3,7 Milliarden Euro. Trotz des milliardenschweren 100 000-Dächer-Programms, bei dem die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Verbrauchern per zinsvergünstigten Krediten den Aufbau von Solaranlagen schmackhaft gemacht hat, bringt es der Strom aus Sonnenenergie bis Ende 2003 nur auf 350 installierte Megawatt (MW). Bei Windkraftanlagen sind es nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie fast 13 000 MW. 2004 soll sie etwa 25 Milliarden kWh liefern – ein Zehntel dessen, was aus Kohle gewonnen wird.

Trotzdem ist die Windenergiebranche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 2002 wurden etwa drei Milliarden Euro in die Windkraft investiert, schätzt Burkhard Weiss, Analyst für erneuerbare Energien bei der Commerzbank. In den kommenden Jahren werden die Investitionen aber abflauen, weil es in Deutschland nur noch wenige profitable Landstandorte für Windkraftanlagen gibt.

Nach Branchenschätzungen hängen 40000 Beschäftigte von diesem Wirtschaftszweig ab. Mittlerweile soll für Windkraftanlagen sogar mehr Stahl verbraucht werden als für Schiffe der heimischen Werften. In der Kritik steht die Branche jedoch vor allem wegen teilweise überzogener Rendite, die mit Windparks erzielt werden können, und nach einigen Betrugsfällen. Henning Frank von Umweltfinanz, die sich auf den Vertrieb grüner Anlageprodukte spezialisiert hat, sagt: „In der Vergangenheit gab es einen Wildwuchs. Aber die Branche ist professioneller geworden.“ Anleger könnten bei seriösen Angeboten mit einer Rendite nach Steuern von neun bis zehn Prozent rechnen.

Es gibt aber auch den einen oder anderen Park, der noch profitabler arbeitet. Laut Werner Brinker, Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), sind bis zu 16 Prozent möglich. Das hält er für überzogen – und verlangt eine effizientere Förderung. Vor allem fordert er eine Ausschreibung für Windanlagen vor der Küste – so genannte Offshore-Anlagen –, durch die sich die Bundesregierung in den kommenden Jahren einen neuen kräftigen Schub für die Windenergie erhofft. Denn vor der Küste herrschen im Vergleich zum Festland wesentlich stabilere Windverhältnisse. Bis zum Jahr 2020 soll vor der Küste nach Plänen der Bundesregierung mehr als doppelt so viel Strom erzeugt werden wie heute bereits an Land. Das Problem: Es gibt noch keine Anlage, läuft. Die garantierte Stromvergütung hat die Regierung trotzdem schon festgeschrieben – obwohl die Kosten von Offshore-Anlagen noch gar nicht absehbar sind.

Subventionsland Deutschland – mit dieser Folge endet die Tagesspiegel-Serie.

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