Wirtschaft : Viel weniger Gründer in Deutschland Kammern fordern Abbau bürokratischer Hürden

Berlin - Die Zahl der Existenzgründungen ist rückläufig. Das ist das Ergebnis des Gründerreports des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der dem „Handelsblatt“ vorliegt. Die Zahl der an einer Unternehmensgründung Interessierten ging demnach im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent zurück. Als Grund wird die Ablösung von Ich-AG und Überbrückungsgeld durch den neuen Gründungszuschuss genannt. Von Mai bis September 2006 informierten sich 35 Prozent weniger Arbeitslose bei den Industrie- und Handelskammern über die Gründungsförderung.

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun geht davon aus, dass sich das Gründungsgeschehen in diesem Jahr wieder etwas positiver entwickelt: „Die subventionierten Rekordzahlen aus der Zeit der Ich- AG-Förderung werden wir sicher nicht erreichen. Für kreative Köpfe mit überzeugendem Businessplan ist 2007 aber in jedem Fall ein guter Zeitpunkt für den Start in die Selbstständigkeit“, sagte Braun dem „Handelsblatt“.

Infolge der anziehenden Konjunktur sank laut DIHK im vorigen Jahr die Zahl der „Kündigungen aus der Not“. Allerdings wollen nach wie vor die meisten Gründungsinteressierten mit der Selbstständigkeit einen Ausweg aus der Erwerbslosigkeit finden: 2006 war für fast zwei Drittel der Teilnehmer an Gründungsberatungen der Kammern Arbeitslosigkeit das Hauptmotiv. Nur 36 Prozent wollten eine Geschäftsidee umsetzen.

Der DIHK-Gründerreport fußt auf mehr als 370 000 Kontakten von Existenzgründungsberatern der Kammern mit angehenden Unternehmern. Er erfasst somit einen Großteil des Gründungsgeschehens in Deutschland.

Die meisten Gründer wollen sich in Branchen selbstständig machen, in denen wenig Startkapital erforderlich ist. 64 Prozent der Gründungen betreffen die Dienstleistungsbranche.

Einen Rekord verzeichneten die Kammern beim Interesse von Frauen: Gegen den Trend stieg die Zahl weiblicher Gründungsinteressierter um elf Prozent an.

Nach Ansicht von Braun müssen noch viele Hürden beseitigt werden, damit die Zahl der Gründer stärker steigt. Wichtig sei, schon in den Schulen die Chancen des Berufs „Unternehmer“ aufzuzeigen. Auch könne die Politik kurzfristig Impulse für Existenzgründungen geben. So gehöre etwa das Formular „Einnahme- Überschussrechnung“, das kaum ein Kleinunternehmer ohne Steuerberater ausfüllen könne, abgeschafft. str (HB)

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