Wirtschaft : Viel Wind um Repower

Der Bieterkampf um den deutschen Hersteller geht weiter: Ein indischer Konzern erhöht sein Angebot – die Börse erwartet noch mehr

Bernd Hops

Berlin - Erneuerbare Energien wie Wind, Wasser oder Sonne haben Hochkonjunktur. Unternehmen aus der Branche werden durch die Diskussion über Mittel gegen den Klimawandel wertvoller. Am Dienstag ging der Bieterkampf um Repower, einen deutschen Hersteller von Windkraftanlagen, in die nächste Runde. Der indische Suzlon-Konzern teilte in Hamburg mit, pro Repower-Aktie biete er nun 150 Euro. Damit überbietet das Unternehmen deutlich den französischen Konkurrenten Areva, der Repower ebenfalls übernehmen will (siehe Kasten). Suzlon-Chef Tulsi Tanti sagte: „Wir sind glücklich darüber, dass das Management von Repower unseren industriellen Plan und unsere Strategie unterstützt hat.“ Deshalb habe man die möglichen wirtschaftlichen Vorteile, die eine Übernahme für Suzlon haben würde, noch einmal genau geprüft. Das Ergebnis sei das erhöhte Angebot.

Der Kaufkandidat selber wollte sich noch nicht zu dem neuen Angebot äußern. Eine Repower-Sprecherin sagte dem Tagesspiegel, Vorstand und Aufsichtsrat würden sich zunächst mit den Details beschäftigen. In der Vergangenheit hatte sich Repower sowohl über Areva als auch Suzlon positiv geäußert. Eine Empfehlung an die Aktionäre werde es diesmal voraussichtlich kommende Woche geben, sagte die Repower-Sprecherin.

Möglicherweise liegt dann bereits ein neues Angebot von Areva vor. Dort hieß es, man wolle das letzte eigene Angebot noch einmal überdenken. An der Börse wird jedenfalls fest damit gerechnet, dass der französische Konzern noch einmal nachzieht. Im Verlauf des Dienstags kletterte der Aktienkurs um 2,7 Prozent auf 157,13 Euro – also weit über das Niveau, das Suzlon bietet. Ende 2004 hatte ein Repower-Papier lediglich zwölf Euro gekostet, Mitte 2006 waren es knapp 38 Euro.

Repower ist eines der größten Unternehmen der Windbranche in Deutschland. 2006 erzielte die Firma einen Umsatz von etwa 450 Millionen Euro. Prognostiziert wurde auch wieder ein Gewinn nach einer längeren Verlustphase. Repower will sich vor allem im Bereich Offshore-Windparks – also Windanlagen vor der Küste – engagieren. Hier werden für die nächsten Jahren besonders starke Wachstumsraten erwartet. Auf der See sind die Windgeschwindigkeiten größer und regelmäßiger. Außerdem gibt es weniger Umweltprobleme. Allerdings ist die technische Herausforderung im Vergleich zu Windparks an Land sehr viel größer.

Areva, bisher vor allem auf Atomkraft spezialisiert, will mit der Repower-Übernahme auch in den Bereich der alternativen Energien expandieren und sich so ein weiteres Standbein schaffen. In der Strategie der Franzosen spielt die Klimadiskussion ausdrücklich eine wichtige Rolle.

Suzlon ist schon eine wichtige Größe in der Windkraftbranche. Den Aufstieg haben die Inder in kürzester Zeit geschafft. Vor wenigen Jahren waren sie so gut wie unbekannt. Mittlerweile sind sie nach eigenen Angaben der fünfgrößte Hersteller von Windturbinen weltweit. 2006 hat Suzlon Siemens überholt. Größer sind nur noch Vestas aus Dänemark, die Windtochter des US-Konzerns General Electric, die deutsche Enercon und die spanische Gamesa Tecnológica. Schon heute ist Suzlon mit der Tochter Suzlon Wind Energie GmbH in Deutschland vertreten. Forschung und Entwicklung betreibt der Konzern hierzulande, in den Niederlanden und in Indien.

Zusammen mit dem strategischen Partner Martifer, einem portugiesischen Mischkonzern, hält Suzlon mittlerweile 32 bis 33 Prozent an Repower. Allein über Ostern hatten die Inder Anteile von 7,7 Prozent erworben. Dadurch waren sie auch nach deutschem Recht zur Erhöhung des Angebots, das noch bis zum 20. April läuft, verpflichtet. Konkurrent Areva hat sich bisher 30 bis 31 Prozent an Repower gesichert.

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