Wirtschaft : Viel zu wenig Autos aus Rüsselsheim

Opel-Stammwerk ist nur zur Hälfte ausgelastet / Betriebsrat schlägt Alarm / Studie: Die Deutschen kaufen keine Vectra mehr

Alfons Frese

Berlin - Das hochmoderne Opel-Stammwerk in Rüsselsheim baut immer weniger Autos. In einer Studie über die Opel-Modelle Vectra und Signum, die beide in Rüsselsheim gebaut werden, kommt der Gelsenkirchener Automarktexperte Ferdinand Dudenhöffer zu dem Ergebnis, dass die Kapazitätsauslastung in Rüsselsheim im kommenden Jahr auf 50 Prozent sinkt. „Damit fallen in Rüsselsheim erhebliche Verluste an.“ Ursächlich dafür ist der schwache Absatz von Vectra und Signum, die in diesem Jahr mit 34 100 Verkäufen „auf einen historischen Tiefstand“ fallen. „Der Privatkäufer in Deutschland hat sich vom Vectra verabschiedet“, schreibt Dudenhöffer.

Diese Einschätzung deckt sich mit der des Opel-Betriebsrats. In einen offenen Brief an den Präsidenten von General Motors (GM) Europe, Carl-Peter Forster, hatte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz vor zwei Wochen von einer „dramatischen Beschäftigungssituation“ in Rüsselsheim gesprochen. Marketing und Vertrieb der Mittelklasse befinde sich in einem „Dornröschenschlaf“, schrieb Franz und sprach sogar von „Indizien für den gezielten Ausstieg der Marke Opel aus der Mittelklasse“. Schließlich forderte Franz GM-Europe-Chef Forster auf, „dem Sterben der eigenen Mittelklasse nicht länger tatenlos zuzusehen“ und „die Beschäftigten über die Pläne für Rüsselsheim zu informieren“.

Nach einer Investition von 750 Millionen Euro war erst 2002 in Rüsselsheim „das modernste Automobilwerk der Welt“ (Opel) in Betrieb gegangen. Doch von der Jahreskapazität von 270 000 Autos ist das Unternehmen weit entfernt. Dudenhöffer zufolge „graben Premiumhersteller und Importeure dem Vectra das Wasser ab“. Auf der einen Seite Skoda mit dem Octavia, der 2005 Vectra/Signum in Westeuropa überholte, und der Toyota Avensis. Auf der anderen Seite Mercedes, Audi und BMW, „die mit ihren Fahrzeugen der unteren Mittelklasse (A 4, 3er BMW, C-Klasse) bei den traditionellen Mittelklasse-Herstellern Volumen absaugen“. Der neue Vectra und der neue Saab 9-3, der ebenfalls in Rüsselsheim gebaut wird, bringen Dudenhöffer zufolge nur „kurze Entlastung“. „Nach einer kurzen Phase von 2008 bis 2010 wird danach das Werk erneut mit der heutigen Kapazität in die Verlustzone geraten“, befürchtet er. In der Konsequenz müsse GM über „seine Kapazitäts- und Werksplanungen in Europa neu nachdenken“.

Opel-Sprecher Andreas Krömer sagte dazu auf Anfrage, das Unternehmen setze auf „die völlig neue Generation von Mittelklassefahrzeugen der Marken Opel und Saab“, die 2008 auf den Markt kämen. Dabei handele es sich um Nachfolger für den Signum, den Vectra und den Saab 9-3. Dudenhöffer hat da Zweifel. 1999 habe ein Facelift die Vectra- und Signum-Verkäufe in Westeuropa auf 288 000 geschoben, doch der nagelneue Vectra, 2002 eingeführt, sei inklusive Signum nie über 176 000 hinausgekommen. Auf Grund des schwächeren Images und der Wettbewerber sei deshalb davon auszugehen, dass sich auch die nächste Vectra-Generation schwächer verkaufe.

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