Wirtschaft : Viele Arbeitslose melden sich freiwillig

Steigendes Interesse an Jobgelegenheiten – teilweise drei Bewerber auf eine Stelle

Anselm Waldermann,Flora Wisdorff

Berlin - Die so genannten Ein-Euro-Jobs sind bei Arbeitslosen beliebter als bisher angenommen. „Wir spüren seit Wochen ein großes Interesse der Arbeit Suchenden“ sagte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit dem Tagesspiegel. Der Städte- und Gemeindebund bestätigt diesen Trend: „Die Nachfrage auf beiden Seiten steigt“, sagte ein Sprecher. Die meisten Kommunen suchten wegen des großen Interesses bereits nach weiteren Möglichkeiten, Ein-Euro-Jobs anzubieten.

Auch die Wohlfahrtsverbände beobachten gestiegenes Interesse: So hatte das Deutsche Rote Kreuz ursprünglich geplant, „einige tausend“ Ein-Euro-Jobs anzubieten. Wegen der großen Nachfrage sollen es nun „über zehntausend“ werden, sagte ein Sprecher. Ähnlich sieht es bei anderen Arbeitgebern im sozialen Bereich aus: „Wir haben deutlich mehr Bewerber als Arbeitsmöglichkeiten“, sagte Tina Hofmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Teilweise kämen auf eine freie Stelle drei Bewerber.

Anfang Oktober hatten laut Bundesagentur für Arbeit bereits 17 200 Arbeitslosenhilfeempfänger einen Zusatzjob. Bisher sind solche Arbeitsgelegenheiten noch freiwillig, ab kommendem Jahr werden sie für Empfänger von Arbeitslosengeld II jedoch verbindlich. Noch vor wenigen Wochen waren die meisten Experten skeptisch, ob Arbeitslose die Ein- Euro-Jobs akzeptieren werden. Auch bei den Montagsdemonstrationen im Sommer gegen die Hartz-Reformen waren sie ein Hauptkritikpunkt.

Nun scheinen diese Bedenken verflogen. „Die anfängliche Skepsis bei den Bewerbern ist deutlich zurückgegangen“, sagte DRK-Sprecher Lübbo Roewer. „Die meisten, die sich bei uns melden, sind sehr motiviert.“ Viele der Bewerber seien ohnehin auf der Suche nach einer Stelle im sozialen Bereich. „Die wollen arbeiten“, sagte Roewer.

Seiner Ansicht nach hat sich das Image der Ein-Euro-Jobs in den vergangenen Wochen gewandelt. „Sie werden nicht mehr als Almosen betrachtet, sondern als Möglichkeit, Selbstvertrauen zu gewinnen und in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen“, sagte Roewer. „Außerdem bedeuten sie einen – wenn auch geringen – Zusatzverdienst.“

Auch Hofmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband beobachtet „ein großes Interesse“ nach Ein-Euro-Jobs. „Viele wollen sich jetzt selber darum kümmern, solange es noch freiwillig ist“, sagte sie. Schließlich seien die Wahlmöglichkeiten ab Januar 2005, wenn die Hartz IV-Reform in Kraft tritt, nicht mehr so groß.

Ob die Ein-Euro-Jobs Arbeitslosen aber tatsächlich einen Weg in den ersten Arbeitsmarkt weisen, bleibt nach wie umstritten. „Es besteht durchaus das Risiko, dass die Leute in den Ein-Euro-Jobs hängen bleiben“, sagte der Arbeitsmarktexperte des ifo-Instituts, Martin Werding, dem Tagesspiegel. So sei die Kombination aus Arbeitslosengeld und zusätzlichem Ein-Euro-Verdienst für manche Arbeitslose höher als ein mögliches reguläres Einkommen. „Der Anreiz, eine richtige Stelle anzutreten, ist dann entsprechend gering“, sagte Werding.

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