Wirtschaft : Viele machen früher Schluss

Wenige Wochen nach der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten steht nur eins fest: Einkaufen wird komplizierter

Maren Peters

Berlin - Es ist das Versprechen maximaler Einkaufsfreiheit: „Montags bis samstags von 10 bis 22 Uhr“, locken die Potsdamer-Platz-Arkaden auf ihrer Internetseite. Doch wer zum Spätbummel durch die riesige Shopping-Meile in der Mitte Berlins schlendert, findet nicht überall offene Türen. Ausgerechnet die Modekette H&M macht schon um 20 Uhr zu. An anderen Stellen der Stadt ist das Bild noch verwirrender: Mal machen die Läden um 19 Uhr dicht, mal um 21 Uhr, mal später. „Die Unübersichtlichkeit ist der Preis der Freiheit“, sagte Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg (HBB), dem Tagesspiegel am Sonntag.

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft hatten Berlin und einige andere Bundesländer den Händlern erlaubt, an Werktagen länger zu verkaufen. Wenige Wochen danach schließen die ersten Geschäfte schon wieder früher – enttäuscht von der schwachen Kundenresonanz. Der Parfümhändler Douglas etwa will seine Filialen künftig nur noch in den 1a-Lagen der Großstädte freitags und samstags bis 21 Uhr öffnen. Auch Berlins Kulturkaufhaus Dussmann will nicht mehr der einzige Händler Deutschlands sein, der Freitagnacht verkauft. Ende Januar werde damit Schluss sein, kündigte Dussmann jetzt an.

„Im Weihnachtsgeschäft haben viele Händler euphorisch mitgemacht, jetzt wird es sich ausdifferenzieren“, prophezeit HBB-Chef Busch-Petersen. Verglichen mit anderen Regionen Deutschlands haben Berliner derzeit aber die besten Chancen auf spätabendliche Shopping-Freuden. „Am schwierigsten ist es in kleinen Städten“, sagt Rossmann-Sprecher Stephan-Thomas Klose. Die Drogeriemarktkette, die auch 120 Filialen in Berlin betreibt, ist wie viele andere noch in der Erprobungsphase. „Das ist eine Tüftelarbeit von Stadt zu Stadt und Standort zu Standort.“ Teilweise laufe das Spätgeschäft ganz hervorragend, sagt Klose und meint damit vor allem Filialen in Bahnhofsnähe und belebten Shopping-Centern. Dort würden die Zusatzkosten für die Spätöffnung durch Zusatzumsätze wieder eingefahren.

Bei Karstadt-Quelle heißt es, es sei noch viel zu früh, um ein Urteil zu fällen. In Berlin, wo der Handelskonzern unter anderem das KaDeWe besitzt, liefe es abends bis 22 Uhr besser, an anderen Standorten „eher durchwachsen“, sagt Konzernsprecher Jörg Howe. Auch die Elektronikkette Mediamarkt Saturn hat „völlig unterschiedliche Erfahrungen“ mit den späten Verkaufszeiten gemacht. Auch die Real-Supermärkte testen noch.

Galeria Kaufhof hatte im umsatzstarken Weihnachtsgeschäft bundesweit mit Öffnungszeiten bis 22 Uhr experimentiert. Seit Anfang Januar ist das wieder anders: In Köln und Bonn schließt Kaufhof wieder um 21 Uhr. Nur in der Hamburger Mönckebergstraße und am Alexanderplatz bleibt es bei 22 Uhr. „Zwischen acht und zehn Prozent des Tagesumsatzes machen wir in den beiden Stunden nach 20 Uhr“, sagt der Berliner Geschäftsführer Detlef Steffens. Vor allem Touristen nähmen das Angebot gern an. „Die Vormittage werden schlechter, die Abende und Wochenenden stärker genutzt.“

Einheitlicher ist das Bild in Shopping-Centern. „Für die Center ist es ein Erkennungsmerkmal, dass alle Geschäfte gleich lang aufhaben“, sagt Christian Saadhoff, Sprecher des größten deutschen Betreibers ECE. Je nach Standort gebe es aber Unterschiede. „Am Potsdamer Platz ist die Frequenz immer super, da muss man keine Angst haben, dass nach 20 Uhr keiner mehr kommt“, sagt Saadhoff. Einige andere Malls seien dagegen bereits dazu übergegangen, nur noch am Freitag und Samstag länger zu verkaufen. „Das braucht Zeit“, sagt Saadhoff, „der Kunde muss es erst mal lernen.“

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