Wirtschaft : Viele Verbraucher sind genervt Regierung prüft schärfere Gesetze

Ina Brzoska

Als Annett Hofstett einen Anruf von der Telekom erhält, wundert sie sich zunächst nicht. Im Rahmen ihres Vertrags wolle der Kundenbetreuer ihr einen günstigeren Tarif anbieten, sagt der Mann am Telefon. Geduldig hört sich die Kundin das Angebot an. Einzelheiten will sie sich aber zuerst genauer anschauen, gegen die Zusendung von Informationsmaterial hat sie daher nichts einzuwenden. Doch einen Tag später staunt Annett Hofstett: In ihrem Briefkasten liegt eine fertige Auftragsbestätigung von der Telekom.

Fälle, in denen Kunden von Unternehmen Verträge untergeschoben bekommen, sind keine Ausnahmen – die Verbraucherzentralen erhalten viele Beschwerden. Obwohl Telefonwerbung seit dem Jahr 2004 verboten ist, stellt die Gesellschaft für Konsumforschung eine ansteigende Zahl von Werbekontakten fest. Allein für das erste Quartal dieses Jahres wurden deutschlandweit 82,6 Millionen Werbekontakte gemessen – darunter auch Telefonwerbung. „Oft sind solche Anrufe nur der Auftakt für unseriöse Geschäfte oder untergeschobene Verträge“, sagt Edda Müller, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv).

Eine Umfrage der Verbraucherzentralen unter 3500 Teilnehmern ergab, dass sich 95 Prozent der Verbraucher durch Telefonmarketing und aggressive Werbemethoden der Call-Center belästigt fühlen. Betroffene berichteten von unseriösen Geschäftspraktiken, etwa der Werbung für dubiose Produkte wie Warentermingeschäfte oder Kreditverträge. Häufig steckten hinter den Anrufen auch Telefoncomputer, die auf vermeintliche Gewinne verwiesen und Kunden aufforderten, teure 0900er- Nummern zu wählen.

Dass immer noch so viele Kunden mit Telefonwerbung belästigt werden, „das ist ganz klar ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“, sagt Staatssekretär Peter Paziorek vom Verbraucherschutzministerium. „Es gibt offenbar ein Durchsetzungsproblem“, räumt er ein. „Wir beobachten das sehr genau – auch um zu klären, ob das Gesetz verschärft werden muss.“

Bislang klagen nur die Verbraucherverbände auf Unterlassung – zum Beispiel gegen die Telekom. Aber inzwischen haben auch Datenschützer die Branche im Visier. Das Geschäft mit dem Adressenhandel blühe, warnt der Berliner Datenschutzbeauftragte Volker Brozio. Telefondienstleister kaufen und verwalten Datenpakete mit Millionen von Adressen, die oft zusätzliche Informationen wie Einkaufsverhalten, Alter oder Geschlecht enthalten. Ein Missbrauch sei sehr schwer zu kontrollieren, sagt Christian Fronczak vom vzbv, doch das schade auch der Wirtschaft: „Die Unternehmen gefährden ihr Image.“

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