Wirtschaft : "Viele Wettbewerber hätten aufgegeben"

TAGESSPIEGEL: Warum darf die Telekom für vier Minuten 12 Pfennig berechnen, für eine Minute aber nicht drei Pfennig?

BÖRNSEN: Bei längeren Gesprächen verändern die verschiedenen Taktzeiten der Telekom das Bild.Zwölf Pfennig sind da als Durschnittswert plausibel.Nach der Statistik unserer Beschlußabteilung sind die meisten Gespräche aber kürzer, sodaß ein einminütiges Gespräch für drei Pfennig Dumping bedeuten würde.Wenn ein Wettbewerber der Telekom ebenfalls nur drei Pfennig berechnet, bliebe nur eine Gewinnmarge von 17 Prozent, um alle Unternehmenskosten abzudecken.Nach Auffassung unserer Beschlußabteilung könnten sich das viele Wettbewerber nicht mehr leisten und müßten unter Umständen sogar ganz aufgeben.

TAGESSPIEGEL: Gleichzeitig hat ihre Behörde Ferngespräche für sechs Pfennig pro Minute genehmigt.Die Telekom ist nun in der absurden Situation, für abendliche Ortsgespräche doppelt soviel zu verlangen, wie für Ferngespräche.

BÖRNSEN: Das ist halt der Nachteil, wenn man solche komplizierten, variierenden Taktzeiten anbietet.Niemand hindert die Telekom daran, auf einen vergleichbaren, einheitlichen Minutentakt umzustellen.Im übrigen kann sie aber auch unserem Vorschlag folgen und die Ortstarife am Abend auf vier Pfennig pro Minute senken.Das wäre noch kein Dumping.

TAGESSPIEGEL: Der Wettbewerber debitel hat angekündigt, die Telekom in jedem Fall um 15 Prozent zu unterbieten.Macht das den Dumpingvorwurf gegen die Telekom nicht unglaubwürdig?

BÖRNSEN: Wir können die Preisstrukturen der Wettbewerber nicht kontrollieren.Laut Gesetz ist nur die Telekom der Preisaufsicht durch die Regulierungsbehörde unterworfen, weil sie das einzige marktbeherrschende Unternehmen ist.Allerdings müssen die Wettbewerber aufpassen, nicht mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb in Konflikt zu kommen.Dafür sind aber nicht wir zuständig, sondern die Gerichte.

TAGESSPIEGEL: Ist die Deutsche Telekom nach der heutigen Entscheidung endgültig aus Schußlinie?

BÖRNSEN: Nicht ganz.Wettbewerber haben sich beklagt, daß die Telekom ihrer Tochter T-Online einseitig Sonderrabatte gewährt, damit sie den Internet-Zugang für sechs Pfennig pro Minute anbieten kann.Damit wird sich unsere dritte Beschlußabteilung als nächstes beschäftigen müssen.

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