Wirtschaft : Vier Interessenten für die Bankgesellschaft

Noch in diesem Jahr will der Senat einen Favoriten auswählen/Salomon Smith Barney wertet Angebote aus

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Berlin (alf). Der Verkauf der Bankgesellschaft Berlin kommt in die entscheidende Phase. Am heutigen Mittwoch endet die Frist für die Investoren, um beim Senat ein Angebot abzugeben. Anschließend werden die Kaufofferten von der Investmentbank Salomon Smith Barney im Aufrag des Senats ausgewertet; hierfür werden rund vier Wochen veranschlagt. In der Senatsverwaltung für Finanzen werden dann wiederum die Ergebnisse der Investmentbank überprüft, bevor dann Finanzsenator Thilo Sarrazin das Ergebnis im Senat vorstellt. Der Senat wiederum soll dann einen „bevorzugten Bieter“ auswählen, mit dem dann exklusiv über den Verkauf der Bank verhandelt wird. Dies alles soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, eine endgültige Entscheidung über die zweite Privatisierung der Bankgesellschaft wird sich bis ins kommende Jahr hinziehen.

Für das angeschlagene Institut kommen vier Käufer in Frage: Die Norddeutsche Landesbank/NordLB, die bereits mit 10,9 Prozent an der Bankgesellschaft beteiligt ist; das Konsortium BGB Capital Partners, das sich aus zwei US–Investoren zusammensetzt; der US-Pensionsfonds Lone Star Funds sowie schließlich der US-Investor Wilbur L. Ross. Kurz vor Ende der Bieterfrist am Mittwochnachmittag um 17 Uhr gibt es bei der NordLB ein zähes Ringen um das weitere Vorgehen. Die Gesellschafter des Instituts aus Hannover, das als Landesbank von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern fungiert, hatten sich nicht auf ein Angebot für die Bankgesellschaft verständigen können. Ein weiteres Treffen in der Nacht zum Dienstag wurde ohne Ergebnis unterbrochen. Am Dienstag lehnte die NordLB jede Stellungnahme ab. Offen blieb am Dienstag auch, ob der Sparkassen- und Giroverband gemeinsam mit der NordLB um die Bankgesellschaft bietet. Nach den ursprünglichen Vorstellungen sollte im Falle einer Übernahme durch NordLB/Sparkassenverband die NordLB für die Landesbank Berlin und damit das Großkundengeschäft und der Sparkassenverband für die Berliner Sparkassen zuständig sein.

Zur Bankgesellschaft Berlin wurden 1994 die Berliner Bank und die Berlin Hyp, die Landesbank Berlin mit der Berliner Sparkasse sowie die Weberbank und die Allbank zusammengeführt. Ziel der Berliner Politik und Bankmanager war es damals, in der Hauptstadt einen Finanzkonzern von internationalem Rang zu bilden. Wie so viele Träume im Berlin der Nachwendezeit platzte auch der von dem großartigen Finanzkonzern. Inzwischen ist der neue Vorstandschef Hans-Jörg Vetter froh, wenn aus der irgendwann sanierten Bank eine überlebensfähige „Regionalbank“ wird.

Vor allem die riesigen Investitionen im Immobiliensektor sowie Fonds mit unüblichen Mietgarantien für die Anleger ließen die Bank abstürzen. Ohne das Land Berlin, mit 81 Prozent der größte Anteilseigner, wäre die Bankgesellschaft längst vom Markt verschwunden – und damit ein großer Teil ihrer 16 000 Arbeitsplätze. Allein im vergangenen Jahr hätte die Bank ohne Landeshilfe einen Verlust von zwei Milliarden Euro gemacht. Nach langen Diskussionen übernahm im vergangenen April das Abgeordnetenhaus für die desaströsen Immobiliengeschäfte eine so genannte Risiko-Abschirmung in Höhe von 21,6 Milliarden Euro. Wird die Milliarden-schwere Garantie eines Tages fällig, dürfte das Sorgenkind Bankgesellschaft den Landeshaushalt endgültig sprengen.

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