Wirtschaft : Vier Rekorde in fünf Tagen

Kurskorrekturen nicht in Sicht / Anleger bevorzugen Blue chips NEW YORK (pf).Nach einer dreitägigen Bergtour trat die New Yorker Börse am Freitag auf der Stelle.Der Dow-Jones-Index lag den ganzen Tag lang im Minus.Er erholte sich in der letzten viertel Stunde und schloß mit einem halben Punkt Anstieg.Damit schaffte der Dow vier Rekordabschlüsse in Folge und legte im Wochenvergleich mehr als 180 Punkte zu.Der letzte Indexstand betrug an Freitag 8370,10 Zähler. Die Freitagserholung ist bemerkenswert, da die Anleger vor langen Wochenenden gewöhnlich ihre Schäfchen ins Trockene bringen.Das heißt, sie kassieren Gewinne und parken das Geld in Geldmarktfonds.Daß sie diesmal davon abließen, zeugt von dem anhaltenden Vertrauen der Anleger in die Aktie.Am Montag ruht der Handel anläßlich des Presidents Day.Kurz vor Neujahr hatte vom Aktienmarkt kaum jemand allzuviel erwartet.Immerhin war der Dow im abgelaufenen Jahr um mehr als 21 Prozent gestiegen.Eine Kurskorrektur schien überfällig.Es kam anders.In den vergangenen drei Wochen hat sich der Dow um 670 Punkte verbessert.Aus vier Prozent Rückgang Anfang des Jahres wurden fast sechs Prozent Gewinn. Was treibt die Kurse? Nach Meinung vom Barton Biggs vom Hause Morgan Stanley leben die Anleger zur Zeit in der besten aller möglichen Welten - die Konjunktur wachse ohne Inflation, die Verbrauchernachfrage steige, und Zinserhöhungen seien vorerst auch nicht zu erwarten.Ein weiterer Auftriebsfaktor sind steigende Unternehmensgewinne im letzten Quartal.Die Mehrzahl unter ihnen hat die Erwartungen der Wall Street übertroffen.Auch Anlegersorgen vor den Auswirkungen der Asienkrise auf die US-Wirtschaft sind möglicherweise unbegründet.Notenbankchef Alan Greenspan meinte sogar, die Turbulenzen in den Tigerstaaten wirkten sich positiv auf die US-Wirtschaft aus.Nicht nur schleußten sie Kapital ins Land, sie sorgten auch für Preisstabilität. Das Anlegerinteresse konzentrierte sich aber hauptsächlich auf die Blue chips, die Standardwerte also - Aktien wie Coca-Cola, Walt Disney und General Electric.Auch Fluggesellschaften gehörten zu den Favoriten.Die Airlines profitieren von der guten Reisesaison und fallenden Treibstoffkosten, die mit Blick auf die Irak-Krise eigentlich steigen müßten.Rohstoffhändler meinten, selbst ein Krieg der Amerikaner gegen Saddam Hussein würde auf den Ölpreis und damit die Treibstoffkosten nur vorrübergehende Auswirkungen haben.Die Industrieländer bezögen einen wachsenden Anteil ihres Bedarfs von Produzenten außerhalb des Persischen Golfs.Nicht zuletzt befinden sich die Airlines auch durch Spekulationen über weitere Konsolidierungen im Aufwind. Selbst überzeugte Wall-Street-"Bullen" sind sich bewußt, daß die Kurse nicht auf Dauer steigen können.Irgendwann müsse die Korrektur kommen.Barton Biggs rechnet mit einer Trendumkehr um die Jahresmitte.Aber erst, wenn sich der Dow Jones um weitere 800 Punkte verbessert hat.Dann wird nach seiner Meinung wegen des Lohnkostenanstiegs die Zeit der blendenden Unternehmensgewinne vorbei sein.Der Lohnkostenanstieg könnte wiederum die Inflationsspirale ankurbeln und die Notenbank zwingen, einen restriktiveren monetären Kurs einzuschlagen.Der Zinsfriede wäre gestört.

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