Wirtschaft : Vier Stunden für die US-Wirtschaft - Angela Merkel trifft die Chefs großer Konzerne

Moritz Döbler

New York - Diesmal musste auch etwas für die Wirtschaft dabei sein. Das hatte Angela Merkel sich für ihre zweite USA-Reise seit dem Amtsantritt als Bundeskanzlerin vorgenommen. Nur vier Stunden im Pierre-Hotel in Manhattan wurden es dann, in denen Merkel sich mit Schwergewichten der amerikanischen Wirtschaft traf und bei ihnen für den Standort Deutschland warb. Mehr Zeit blieb zwischen den Terminen in Washington nicht übrig.

Einer der führenden amerikanischen Finanzinvestoren, Henry Kravis von der Finanzgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, sprach die Bundeskanzlerin auf die Heuschrecken-Debatte in Deutschland an. Merkel wies jedoch jegliche Besorgnis als unbegründet zurück. „Deutschland ist ein offenes Land für Investoren“, nannte sie als zentrale Botschaft. Und sie hob hervor, dass sich ihr Land und Europa insgesamt im globalen Wettbewerb nur mit Innovationen behaupten könnten.

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld lobte die Kanzlerin für ihren Auftritt. „Die Botschaft ist hier bei den CEOs angekommen.“ Freiheit, Wettbewerb und Wandel seien Begriffe, die Merkel mit ihrer Biografie gut verkörpere. Zu den Gesprächspartnern gehörte auch Jeff Immelt, Chef des weltgrößten Konzerns General Electric, der sich seit Jahren für die deutsch-amerikanischen Beziehungen einsetzt, ebenso wie die Vorstandschefs von Coca-Cola, Monsanto, Dow Chemical und Motorola. Aus der Finanzbranche waren neben KKR auch die Investmentbank Goldman Sachs, die Großbank Citigroup und die Investorengruppe Fortress vertreten.

Nach Gesprächen im kleinen Kreis hob Merkel in einer Rede vor 400 Wirtschaftsvertretern die „gemeinsame Wertebasis“ von Deutschland und den USA hervor. Schon deswegen müsse es bald Fortschritte bei den Verhandlungen über eine Liberalisierung des Welthandels geben. Merkel verteidigte die Mehrwertsteuererhöhung als unumgänglich, um die Staatsfinanzen in den Griff zu kriegen. Bei dieser Aufgabe könne Deutschland möglicherweise auch ein Vorbild für die USA sein. Merkel kündigte an, das Instrument der Mitarbeiterbeteiligungen zu stärken, nicht zuletzt um den Deutschen den in den USA viel stärker verbreiteten Umgang nähe zu bringen.

Den transatlantischen Streit über Subventionen für die Flugzeugindustrie brachte die Kanzlerin zuvor bei US-Präsident George W. Bush zur Sprache. Beide Seiten stimmten überein, dass sie das Problem lösen wollten, hieß es aus der deutschen Delegation. „Das ist schon viel. Man kann nicht erwarten, dass da gleich eine gemeinsame Erklärung verabschiedet wird.“ Auch Boeing hatte zuvor von Fortschritten gesprochen. Die US-Seite stört sich an Subventionen für Airbus, während die Europäer ihrerseits eine direkte staatliche Unterstützung für Boeing monieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben