Wirtschaft : Vier-Tage-Woche für Senioren

Die Bahn einigt sich mit einer Gewerkschaft auf Altersteilzeit. Die Löhne sinken weniger stark.

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Altes Eisen? Das Durchschnittsalter der Bahn-Mitarbeiter beträgt 46 Jahre. Foto: dpa
Altes Eisen? Das Durchschnittsalter der Bahn-Mitarbeiter beträgt 46 Jahre. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Ältere Beschäftigte der Deutschen Bahn mit einem anstrengenden Job müssen in Zukunft nur noch vier Tage die Woche arbeiten. Ihre Lohneinbußen liegen aber nur bei 12,5 Prozent, obwohl ihre Stundenzahl um 20 Prozent geringer ist. Darauf haben sich die Bahn und die Gewerkschaft EVG am Donnerstag geeinigt. Zudem verzichtet der Konzern in Zukunft unbefristet auf betriebsbedingte Kündigungen. Lehrlinge bekommen zudem nach Ende ihrer Ausbildung eine unbefristete Beschäftigung beim staatseigenen Konzern angeboten.

Insgesamt wolle man den Menschen mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeit bieten, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Die Beschäftigten sollten „ihr privates und berufliches Leben in Einklang bringen“ können. Die Vereinbarung biete „langfristige Beschäftigung, Sicherheit und Perspektiven für ein gesamtes Berufsleben bei der DB“. Man wolle so die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen und als Arbeitgeber attraktiver werden. Die Vereinbarungen bezeichneten Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Demografie-Tarifvertrag, der für die Verkehrsbranche neu sei. Er gilt für 150 000 Beschäftigte. Dem nun erzielten Ergebnis gingen aber zähe Verhandlungen voraus: Über zehn Runden hatten Bahn und Arbeitnehmer miteinander gerungen, erst am frühen Donnerstagmorgen gab es eine Einigung.

Die neue Teilzeit-Regelung gilt für Ältere über 60, die über Jahre Schichtarbeit geleistet oder in Rufbereitschaft gearbeitet haben. Man wisse, dass diese Menschen „hoch belastet“ seien, sagte Weber. Pro Jahr sollen sie 45 Schichten weniger arbeiten, dies entspreche rechnerisch einer Vier-Tage-Woche. Die Regelung sei aber freiwillig. „Dieses Startmodell von Teilzeit im Alter wollen wir in den nächsten Jahren weiter ausbauen“, sagte die EVG-Vizevorsitzende Regina Rusch-Ziemba. Weber zufolge wolle man jüngeren Mitarbeitern perspektivisch über Anreize ermöglichen, Arbeitszeit auf Langzeitkonten für das Alter anzusparen. Dann sollen sie in den Jahren vor der Rente weniger arbeiten müssen.

Das Problem der Bahn ist ihre mit 46 Jahren im Durchschnitt recht alte Belegschaft. Außerdem arbeiten dort überdurchschnittlich viele Männer. Die Bahn bemüht sich seit geraumer Zeit, ihr Image als Arbeitgeber aufzupolieren, um frei werdende Stellen wieder mit qualifizierten Kräften besetzen zu können.

Daneben sollen die Beschäftigten individuellere Arbeitszeitmodelle mit der Bahn vereinbaren können. Die einzelnen Betriebe erhielten größere Spielräume, etwa um Schichtpläne anzupassen. Wer will, kann demnach in Zukunft nur Früh- oder nur Nachtschicht arbeiten. Auch wer sich qualifizieren wolle, könne dies mit seiner Arbeitszeit besser abstimmen.

Auch für Zeitarbeiter gibt es Verbesserungen. Sie sollen künftig bereits nach zwölf Monaten im Betrieb genauso bezahlt werden wie die Stammbelegschaft. Die Vereinbarungen gelten zunächst nur für diejenigen, die in der EVG organisiert sind. Mit der Lokführergewerkschaft GDL wolle man zu dem Thema wieder ins Gespräch kommen, kündigte Weber weiter an.

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