Wirtschaft : Vierbeinige Freunde

Viele Facebook-Nutzer sind Haustiere. Nicht nur das stört die Werbekunden. Die Aktie steht unter Druck.

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Mehr rot als grün. Wer in Facebook-Aktien investiert hat, muss tapfer sein. Foto: Reuters
Mehr rot als grün. Wer in Facebook-Aktien investiert hat, muss tapfer sein. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Ist auch Ihr Hund Mitglied bei Facebook? Wie viele Freunde hat Ihre Katze? In einem aktuellen Börsenbericht teilt das soziale Netzwerk mit, dass 2,4 Prozent der etwa 955 Millionen aktiven Mitglieder in Wahrheit Haustiere oder andere „nicht menschliche Einheiten“ sind. Die Mehrzahl der knapp 23 Millionen Fiffis, Maunzis oder Hoppels seien in „weniger entwickelten Märkten wie Indonesien und der Türkei“ angemeldet.

Facebook findet das gar nicht lustig. Denn zu den Stubentigern gesellen sich etwa doppelt so viele Nutzer, die sich einen zweiten Account unter anderem Namen leisten und etwas mehr als halb so viele, die Profile für kriminelle Zwecke – etwa den Versand von Spammails – nutzen. Alles in allem kommen so 83 Millionen Profile zusammen, bei denen im besten Fall die für Facebook so wichtige Platzierung von Werbeanzeigen völlig sinnlos ist und die im schlimmsten Fall ihre kriminelle Energie über das Netzwerk ausleben. Das Unternehmen betonte, man bemühe sich fortgesetzt, die „Fähigkeiten zu verbessern, doppelte oder falsche Konten ausfindig zu machen“. Für Facebook ist das überlebensnotwendig, weil es sich über Anzeigen und Anzeigenerlöse finanziert, die Unternehmen auf den Profilseiten der Nutzer platzieren können. Erst vor wenigen Tagen beschwerte sich ein Start-Up darüber, dass nach eigener Recherche nur ein Fünftel der Klicks, die es über Facebook-Anzeigen erhält, von realen Personen stammen. Die Mehrheit sei automatisch erzeugt von sogenannten Bots. Facebook versprach daraufhin, diesen Vorwürfen nachzugehen.

Die Mitteilung ist nur eine von derzeit vielen negativen Nachrichten, die den Kurs der Aktie belasten. Am Donnerstag rutschte das Papier zwischenzeitlich unter 20 Dollar. Am Freitag stabilisierte es sich wieder über dieser Marke. Dass es sich aber in absehbarer Zeit wieder seinem Ausgabekurs vom Mai nähern könnte, ist wohl unwahrscheinlich. Damals kostete ein Anteilsschein 38 Dollar. Ein Grund, warum die Aktie in den vergangenen Tagen noch einmal deutlich an Wert verloren hat, ist das bevorstehende Ende der dreimonatigen Sperrfrist für Insiderverkäufe. In Ermangelung von Barmitteln hatte Facebook in den Anfangsjahren Mitarbeiter teils in Aktien bezahlt und Investoren am Unternehmen beteiligt. Beide Gruppen dürfen diese ab Mitte August zu Geld machen. Anleger und Analysten glauben, dass sie angesichts der strategischen Schwierigkeiten des Netzwerks von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. Das würde den Kurs weiter belasten.

Die Zahl der Facebook-Mitglieder wächst zwar noch, doch in einigen Regionen wie im Heimatmarkt USA nutzen weniger Menschen das Angebot. Die Umsätze mit Werbung stiegen zuletzt um ein Drittel, verglichen mit den Vorquartalen jedoch deutlich weniger stürmisch. Hinzu kommt, dass Firmengründer Mark Zuckerberg nach wie vor keine Antwort auf die immer drängendere Frage gefunden, wie Werbung effektiv auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen ausgeliefert werden kann, über die inzwischen mehr als die Hälfte der Mitglieder Facebook nutzt. Dennoch empfehlen Analysten, die Aktie zu halten oder gar zu kaufen. So wie Anthony Victor von Topeka Capital Markets. Der sieht zwar auf kurze Sicht wenig Potenzial nach oben, ist aber überzeugt, dass Facebook eine mobile Strategie findet.Simon Frost

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