Wirtschaft : Virtuelle Festplatten

Wer unterwegs seine digitale Fotosammlung oder seine Firmendaten zur Hand haben will, muss diese nicht in der Aktentasche oder auf dem Laptop mitschleppen. (21.09.2005, 13:02 Uhr)

München/Bonn - Online-Dienste bieten ihren Kunden eine virtuelle Festplatte, auf die sie von jedem Internetanschluss der Welt aus zugreifen können. Solche Webspeicher bieten auch den Vorteil, Daten gemeinsam mit Freunden oder Kollegen zu nutzen. Einige Angebote sind sogar kostenlos, allerdings müssen Kunden bei sensiblen Daten auf die Sicherheit achten.

«Mit einer virtuellen Festplatte hat man seine Daten immer und überall parat», erklärt Martin Frommhold, Sprecher der Firma T-Online in Weiterstadt bei Darmstadt, die ihren Kunden ein kostenloses Speicherfach anbietet. Die meisten nutzten dies für private Fotos: Wer seine Hochzeits- oder Urlaubsfotos zeigen will, muss sie seinen Bekannten nicht einzeln per E-Mail zuschicken, sondern kann gleich zu einer virtuellen Diashow einladen. Auch könne man unterwegs Fotos abspeichern, wenn der Kameraspeicher voll ist. Zusätzlich können Nutzer ihre Bilder gegen Entgelt per MMS verschicken oder online Fotoabzüge bestellen.

«Auch für Schulen und Vereine oder Außendienstmitarbeiter einer Firma lohnt sich das», sagt Stefan Krempl, Geschäftsführer des Anbieters «my-files.de» in München. Der Besitzer des Speicherfachs könne Kollegen Zugriffsrechte auf die Daten erteilen, so dass sie Projekte gemeinsam bearbeiten können, erklärt Krempl. Nützlich ist es hierbei, wenn sich Zugriffsrechte zeitlich begrenzen lassen und der Besitzer entweder Schreib- oder lediglich Leserechte erteilen kann.

Je nach Angebot reicht der Speicherplatz solcher Dienste von wenigen Megabyte bis hin zu mehreren Gigabyte. Kostenlose Angebote sind dabei eher Mangelware und haben oft einen Haken: Während Spezialanbieter wie «my-files.de» grundsätzlich kostenpflichtig sind, bieten Provider wie 1&1 oder T-Online ihre Gratisdienste nur hauseigenen Kunden an - DSL-Kunden von 1&1 erhalten sogar zehn Gigabyte Speicherplatz umsonst.

Andere Firmen wie Yahoo oder Web.de bieten kostenlose Schnupperangebote, die sich gegen Entgelt erweitern lassen. Wer solche Angebote ernsthaft nutzen will, muss meist draufzahlen: Web.de bietet beispielsweise zwölf Megabyte Speicherplatz kostenfrei, was für eine Fotosammlung kaum reichen dürfte. Gratisangebote sind zudem häufig nicht werbefrei. Die Preise für Bezahldienste liegen dabei zwischen 1 und 15 Euro pro Monat. Daneben finden sich aber auch kostenfreie Dienste, bei denen sich Kunden lediglich vorher registrieren müssen: Bei gmx zum Beispiel erhalten Nutzer auf diese Weise eine ein Gigabyte große virtuelle Festplatte.

Beim Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis sollten Kunden auch auf Beschränkungen im Kleingedruckten achten: Neben dem Speicherplatz sind oft auch der Datenstrom oder die möglichen Dateiformate beschränkt. So bietet Freenet registrierten Nutzern ein kostenloses Online-Fotoalbum mit 1,3 Gigabyte Speicherplatz, das ausschließlich für Bildformate ausgelegt ist.

Die Bedienung erfolgt meist per Webbrowser und dürfte der Mehrzahl der PC-Nutzer bekannt sein - ähnlich wie im Windows-Explorer können Dateien in Ordner sortiert und von dort aus versendet oder bearbeitet werden. Praktisch ist es hierbei, wenn das Speicherfach einen Web-DAV-Zugang enthält: Damit lässt sich die virtuelle Festplatte direkt an das PC-System koppeln, was den Zugriff vereinfacht, erklärt Andreas Zisowsky vom Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme in Berlin. Dateien vom lokalen Laufwerk können dann einfach mit der Maus in den Online-Ordner abgelegt werden.

Damit die Daten sicher beim Anbieter ankommen, sollten Anwender darauf achten, dass die Dateien bei der Übertragung mit Hilfe des SSL-Standards verschlüsselt werden, rät Michael Dickopf vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. Ratsam sei es auch, ein Passwort für den Zugang zu wählen, das schwer zu erraten ist. Es sollte mindestens aus acht Zeichen bestehen und Sonderzeichen sowie wechselnde Klein- und Großschreibung enthalten.

«Sensible Daten sollten Nutzer außerdem vor dem Übertragen zusätzlich verschlüsseln», sagt Johann Bizer, stellvertretender Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein in Kiel. Denn bei vielen Speicherdiensten würden die Dateien zwar während der Übertragung mittels SSL geschützt. Auf dem Server lägen sie aber unverschlüsselt. So könnten Mitarbeiter oder erfolgreiche Hacker Einblick in die Daten erhalten. Zur Verschlüsselung der Daten empfiehlt er Verfahren wie PGP («Pretty good Privacy»). Zusätzlich könnten Anwender auch Packprogramme wie Winzip nutzen, bei denen Ordner mit zusätzlichen Passwörtern versehen werden können.

Nutzer sollten zudem Acht geben, wem sie den Zugriff auf ihre virtuelle Festplatte erlauben, rät T-Online-Sprecher Frommhold. Auch ein Online-Fotoalbum sollten Anwender besser nicht für alle zugänglich machen, sondern nur Einzelnen ein Passwort zukommen lassen. Privatanwender würden hier oft fälschlicherweise denken, ihre Daten seien kein Geheimnis, so Datenschützer Bizer. Gerade bei privaten Fotos unterschätzten viele aber das Risiko: Kinderfotos beispielsweise könnten im Internet leicht in falsche Hände geraten.

Internet: Tipps zu Verschlüsselungsverfahren bietet die Seite www.bsi-fuer-buerger.de (Von Tobias Schormann, dpa)

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