Wirtschaft : Virtuelle Reise durch die Welt des Investments

Peter Köhler

Wenn es um die Informationssuche und -aufbereitung geht, kann das Internet seine ganze Stärke demonstrieren. Für die Welt der Anlagefonds gilt dies in besonderem Maße, da der Anleger hier börsentäglich mit immer neuen Angeboten konfrontiert wird. Da ist Orientierung gefragt, und die Fondsgesellschaften haben sich darauf mittlerweile recht gut eingestellt. Wer noch vollkommen ahnungslos ist, kann sich im Netz einen ersten Einblick verschaffen. Erfahrene Fondsanleger wissen, dass sie hier zeitnah die Preis- und Performanceentwicklung präsentiert bekommen und in Ruhe neue Produkte studieren können.

Deshalb verwundert es kaum, dass die Besucherzahlen auf den Web-Seiten nur eine Richtung kennen: steil nach oben. Der zur Dresdner Bank zählende Deutsche Investment-Trust (DIT) etwa erhält nach Auskunft von Internet-Fachmann Ralf Seidensticker pro Monat zirka 500000 "Visits", bei der Allianz-Vermögen sind es ebenfalls gut eine halbe Million, und auch die übrigen Schwergewichte der Branche weisen ähnliche Zahlen auf. Im Mittelfeld sollten vielleicht 100 000 Besucher die Regel sein. Insgesamt bringen es so die rund 60 ernst zu nehmenden deutschen Internet-Präsentationen auf mehrere Millionen Besuche im Monat.

Dabei gehen die Suchenden immer zielgerichteter vor: Die Finanz-Surfer seien "an Facts und nicht an bunten Bildchen interessiert", wie Wolfgang Buckler von Union-Investment sagt. Dass die Online-Kunden fordernd sind, spürt auch die Allianz, die täglich rund 70 bis 80 Anfragen in ihrem E-Mail-Briefkasten zu Fondsthemen vorfindet. Und auch hier sei eine "steigende Tendenz" zu registrieren, teilt Alfred Wettach mit, der die deutschen Internet-Aktivitäten der Allianz verantwortet.

Gut im Griff haben die Fondsgesellschaften in der Regel die Präsentation ihrer Fonds. Auf Doppelklick erhält der Interessent meist Daten zum jeweiligen Fondsvolumen, Ausgabeaufschlag und Verwaltungsvergütung sowie zur Wertentwicklung und noch einer ganzen Fülle anderer Merkmale. Für die Anhänger grafischer Darstellungen wird die Performance der zurückliegenden Jahre präsentiert und die Anlagestruktur anhand von Diagrammen veranschaulicht. Lediglich die Einteilung in Risikoklassen hat sich noch nicht überall durchgesetzt. Ebenfalls Mangelware sind Vergleich mit anderen Fonds. Eine Auswahl der Web-Angebote zeigen die unten stehenden Kästen. Allerdings sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die Internet-Sites nichts über die Qualität des realen Fondsmanagements aussagen.

Stark frequentiert werden die Preisseiten für die Fondsanteile. Zum Standardrepertoire gehören die Wertpapierkennnummern, Ausgabe- und Rücknahmepreise sowie die Zwischengewinne. Im Normalfall werden die Daten täglich zwischen 16 und 18 Uhr aktualisiert.

Wenn es um den direkten Kauf von Anteilen der Fondsgesellschaften geht, hört die Servicebereitschaft für Anleger aber in der Regel auf. Gerade einmal rund zehn Prozent der Anbieter machen sich die Mühe, interaktive Werkzeuge für einen Erwerb ohne Umwege ins Netz zu legen. Der Hauptgrund hierfür ist in der Branche ein offenes Geheimnis. Die stationären Verkaufswege und die mächtigen Strukturvertriebe schießen Sperrfeuer. Im Vorfeld wird der Kunde zwar mit allem Notwendigen versorgt, wenn er dann aber zugreifen will, muss er auf seinen Berater in der Filiale, den Fondsshop oder die Direktbank bauen.

Zu den wenigen Gesellschaften, die einen Kauf, Verkauf oder Tausch von Fondsanteilen online anbieten, gehören die Allianz Vermögens-Management, der DIT sowie Fidelity und Flemings.

Üblicherweise muss ein Neukunde erst einmal ein Konto eröffnen, wobei die Unterlagen noch auf dem Postweg verschickt werden müssen. Solange es keine neuen Verfahren (elektronischer Fingerabdruck oder Smartcard-Leser) gibt, ist diese Papierarbeit notwendig, um die Identität des Antragstellers zu prüfen. Auf diese Weise sollen etwa Geldwäsche-Transaktionen verhindert werden. Nach der Anmeldung kann der Anleger dann mit Passwort/Mitgliedsnummer und PIN-Verfahren agieren.

Die wenigen Fonds-Pioniere, die einen Kauf ohne Umwege zulassen, sind recht erfolgreich. "Das Internet sehen wir als zukunftsorientierten Vertriebskanal", erklärt etwa Alexander Judkins, Associate Director für das Direktkundengeschäft bei Fidelity in Deutschland. Bei einer gesamten Kundenzahl von 140000 würden schon rund 10000 Konten mit dem "WebXPress" online geführt. Um den Anleger nun richtig in Kaufstimmung zu bringen, müssten aber auch noch attraktive Konditionen her. Und hier hapert es gewaltig. Dabei sei es nur logisch, dass der Kunde für die "Arbeit im Internet", die ihm ja Such- und Abwicklungskosten verursacht, auch belohnt wird, sagt Holger Kern, Mitglied der Geschäftsleitung beim Beratungsunternehmen Roland Berger & Partner.

Momentan sind die virtuellen Schaufenster der Branche also in erster Linie ein "sehr interessantes Informationsmedium", sagt Andreas Fink, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften.

Aber nahezu alle Anbieter sagen auch, dass sie an einer Überarbeitung ihrer Web- Auftritte arbeiten, wobei das "Millenniumfieber" für zusätzlichen Zeitdruck sorgt. Im Jahr 2000 sollen bei vielen Fondsgesellschaften interaktive Anwendungen und auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Internet-Seiten die Anleger locken.

Wie eine zukünftige Homepage aussieht, kann sich der Anleger beim Blick über den großen Teich zeigen lassen. Unter www.fidelity.com erreicht man eine Web-Site mit Portalcharakter, das heißt, man ist mit einem Klick auf der Einstiegsseite für das Thema Geldanlage. Neben Fonds bekommt der Anleger Nachrichten, Research-Zugänge, Kreditkarteninfos, Zahlungspläne für die Altersvorsorge und in Kürze auch Zugang zum nachbörslichen Wertpapierhandel.

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