Wirtschaft : Vitamin-Skandal weitet sich aus

LUDWIGSHAFEN (rtr). Der Chemiekonzern BASF hofft auf eine Beilegung der in den USA anhängigen Zivilklagen wegen verbotener Preisabsprachen auf dem Vitaminmarkt in der zweiten Jahreshälfte 1999. Allerdings äußerte sich Vorstandsmitglied Eggert Voscherau am Montag in Ludwigshafen skeptisch. Es könne sein, daß dies nicht gelinge. "Wir sind in sehr intensiven Verhandlungen mit verschiedenen Rechtsanwaltsgruppen und hoffen, daß wir, wenn wir können, im zweiten Halbjahr zu einer Lösung kommen", sagte Voscherau. Es sei jedoch sehr schwierig, sich darauf festzulegen. Der Bereich Feinchemie des BASF-Konzerns, zu dem das Vitamingeschäft gehört, soll bis zum Jahr 2005 kräftig wachsen.Im vergangenen Monat hatten BASF und die schweizerische Roche Holding einen Strafprozeß in den USA im Rahmen eines Vergleichs beendet und sich zur Zahlung einer Rekordbuße von zusammen mehr als 1,3 Mrd. DM bereit erklärt. Davon entfallen mehr als 400 Mill. DM auf BASF. 72 Kläger hatten gegen BASF eine zivilrechtliche Sammelklage eingereicht.Voscherau hat nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, wann die Untersuchungen der EU-Kommission wegen des Vorwurfs von Preisabsprachen bei Vitaminprodukten abgeschlossen werden. "Das ist im Moment weiter offen", sagte Voscherau. Er erwarte jedoch, daß die Kommission eine Strafe verhängen werde. Der Konzern müsse mit ähnlichen Ermittlungen in Australien, Brasilien, Mexiko und Kanada rechnen. Der BASF-Pharmavorstand unterstrich jedoch, daß im Zusammenhang mit dem Fall gegen kein BASF-Vorstandsmitglied ermittelt worden sei. BASF werde ein Maßnahmenpaket umsetzen, um derartige Fälle künftig auszuschließen. Am wichtigsten seien dabei interne unangemeldete Anti-Kartell-Revisionen. Dazu gehörten aber auch die Festschreibung von Führungsgrundsätzen und gezielte Schulungsmaßnahmen. "Wir werden alles daran setzen, daß sich ein solcher Fall wie bei Vitaminen nicht wiederholt und uns intensiv bemühen, auch das Vertrauen unserer Geschäftspartner und Mitarbeiter wiederzugewinnen", versicherte Voscherau.Die Wachstumsziele für den Bereich Feinchemie des Konzerns sehen bis zum Jahr 2005 einen Umsatz von vier Mrd. DM vor, verglichen mit knapp 2,5 Mrd. DM in 1998. Mit einem Portfolio von rund 600 Produkten werden Spezialitäten für die Human- und Tierernährung sowie die Pharma- und Kosmetikindustrie hergestellt. Der Bereich hatte in den vergangenen fünf Jahren ein jährliches Wachstum von etwa acht Prozent erzielt. In den nächsten Jahren sollen 40 neue Produkte auf den Markt gebracht werden, die im zehnten Jahr nach der Markteinführung rund eine Mrd. DM zusätzlichen Umsatz einbringen sollen.

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