Wirtschaft : Viva im Visier der Branchenriesen

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Berlin (beh). Um die Viva Media AG ist ein Übernahmekampf entbrannt. Der Kölner Medienkonzern, zu dem neben dem Musiksender Viva der TV-Produzent Brainpool gehört, wird von den internationalen Branchenriesen Viacom (MTV) und AOL Time Warner heftig umworben. Ausgelöst wurden die Spekulationen von Viva-Mitbegründer Helge Sass, der gegenüber dem „Spiegel“ gesagt hatte, dass Viva im Zentrum einer „Übernahmeschlacht“ stehe. Das Unternehmen selbst wollte am Montag nur bestätigen, dass es demnächst eine Änderung der Aktionärsstruktur geben dürfte. Die n der Interessenten wurden nicht genannt.

In Branchenkreisen wird aber davon ausgegangen, dass vor allem die beiden US-Konzerne an einem zur Disposition stehenden 30-prozentigen Viva-Aktienpaket Interesse haben. Die Musik-Unternehmen EMI und Vivendi Universal haben bereits angekündigt, sich von ihren Anteilen (jeweils 15,3 Prozent) zu trennen. Beide Unternehmen befinden sich wie die Musik-Branche insgesamt in der Krise und können flüssige Mittel gut gebrauchen. So erwartet Branchenexperte Harald Heider von der DZ-Bank, dass der Preispoker um das Anteilspaket nicht ausufert. Beide Verkäufer seien nicht in der Position, durch langes Taktieren einen hohen Preis aushandeln zu können. Zudem befinde sich das Fernsehgeschäft derzeit nicht gerade in der Blütephase, merkt seine Kollegin Isabel Geigenberger (ebenfalls DZ Bank) an. Gleichwohl sei Viva für Viacom oder AOL Time Warner „keine große Baustelle“, auch wenn man auf den derzeitigen Wert des Pakets noch einiges drauflege. Viva ist nach einem kräftigen Kurssprung am Montag (5,74 Prozent bis zum Abend) an der Börse knapp 280 Millionen Euro wert. Der Kurs war in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen, was daraufhin hindeutet, dass sich die Interessenten bereits am Markt mit Aktien eingedeckt haben.

AOL Time Warner ist bereits mit 15,3 Prozent an Viva Media beteiligt, Viacom wiederum hatte schon zur Emission der Aktie 2000 am Neuen Markt starkes Interesse an einem größeren Paket. Experten sehen eher AOL Time Warner in der Favoritenrolle. So könnten, glaubt Analyst Heider, die Musik-Konzerne nach dem Anteilsverkauf mit dem weltgrößten Medienkonzern vertraglich vereinbaren, dass ihre Clips weiterhin regelmäßig auf Viva laufen. Bei einem Verkauf an Viacom sei es dagegen fraglich, ob der Sender noch lange existiere. Möglicherweise werde er nur gekauft, um ihn nach einiger Zeit zu schließen. Heider schließt auch kartellrechtliche Probleme nicht aus - schließlich besetzen MTV und Viva quasi den gesamten, allerdings kleinen, deutschen Markt der Musiksender.

Beide liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um ihre jugendliche Zielgruppe, meist mit leichten Vorteilen für Viva. Zwar leiden auch die Clip-Sender an der allgemeinen Werbeflaute, vor allem weil die Plattenindustrie sich mit Ausgaben zurückhält. Dennoch konnte Viva vor kurzem gute Quartalszahlen vorlegen. Während das Geschäftsjahr 2001 mit Verlust abgeschlossen wurde, erwirtschaftete der Medienkonzern bei leicht gesunkenen Umsätzen zwischen Januar und März 2002 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 31,7 Millionen Euro. Darin waren zwar Erlöse aus dem Verkauf von Anteilen an dem zweiten Sender Viva Plus an AOL Time Warner enthalten, aber Analysten waren zufrieden mit den Zahlen. Allerdings wirkte sich insbesondere die Brainpool-Übernahme positiv auf das Ergebnis aus.

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