Wirtschaft : Viva steckt in der Klemme

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Von Dirk Benninghoff

Wie schlecht es der ehemals florierenden Musik-Branche geht, zeigt der Fall Viva exemplarisch. EMI und Vivendi Universal wollen aussteigen, obwohl die Beteiligung strategisch höchst wertvoll ist. Bietet die Video-Rotation des erfolgreichen Kölner Senders ihnen doch die günstige Gelegenheit, die CD- und Plattenkäufer hungrig auf ihre neuesten Hits zu machen. Doch die Kundschaft macht sich zunehmend rarer. CD-Brenner und Konsumflaute trübten das Geschäft schon bevor der Teuro kam. So müssen die Konzerne aus finanzieller Not ihre Wertschöpfungskette unterbrechen. Beim Preispoker mit AOL Time Warner oder Viacom sind die Karten daher nicht gerade mit Jokern gespickt: Die Konzerne brauchen dringend Geld und sind nicht in der allerbesten Verhandlungsposition. Immerhin dürften sie angesichts eines Verkaufspreises im dreistelligen Millionenbereich mit Viva ein gutes Geschäft machen. Beide sind bereits seit der Gründung 1993 an dem Sender beteiligt und haben sich damals günstig in das spätere Erfolgsprojekt eingekauft.

Noch größere Magenschmerzen als die Musikindustrie dürfte Viva-Chef Dieter Gorny angesichts des anstehenden Aktionärswechsels haben. Sein Erfolg droht ihm zum Verhängnis zu werden. Übernimmt die MTV-Mutter Viacom das Unternehmen, könnten die Tage der Sendergruppe Viva bald gezählt sein und der TV-ProduzentBrainpool übrig bleiben. Eine andere Option wäre die völlige Umgestaltung des Viva-Programms durch MTV, um Kannibalisierungseffekte zu vermeiden. Auch das dürfte kaum in Gornys Interesse sein. Ihm bleibt nicht viel mehr übrig, als auf den längeren Atem und die höhere Finanzkraft AOL Time Warners zu hoffen. Sein Glück: Die Position des globalen Mediengiganten ist nicht schlecht. Strategisch ist die Bedeutung als Abspielstation ähnlich hoch wie bei EMI und Vivendi Universal. AOL besitzt bereits Anteile an Viva und ist Favorit. Auch für den Musikfreund, dessen Auswahl an Video-Clips bei einem Sieg Viacoms noch spärlicher sein dürfte.

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