Wirtschaft : Vivendi kauft Seagram: Ein transatlantischer Mediengigant entsteht

abo

Ein neuer Medienkonzern, bestehend aus dem französischen Mischkonzern Vivendi, dessen Tochter Canal Plus und der kanadischen Getränkegruppe Seagram, will dem US-Giganten AOL-Time Warner Konkurrenz machen. Im neuen Unternehmen Vivendi Universal kommen Film, TV, Musik, Internet und Telefonie zusammen. Die Chefs der drei Partnerfirmen versprechen sich hohe Synergien. Doch zuvor wartet eine Menge Kleinarbeit.

Die Verschmelzung von Vivendi SA, Seagram Inc und Canal Plus SA mit einem Volumen von 34 Milliarden Dollar schafft eine der stärksten Medien- und Telekomgruppen der Welt. Mit den Rechten an 750 000 Songs, über 9000 Filmen und 27 000 TV-Serienfolgen, einer starken Stellung im Verlagswesen und dem Zugang zu 80 Millionen potenziellen Kunden in Europa über das Internet- und Mobilfunkportal Vizzavi tritt die Vivendi Universal gegen Größen wie AOL-Time Warner an. Erstmals wird damit ein börsennotierter Medienkonzern dieser Größe von Europa aus gelenkt. Die Börse war aber unbeeindruckt - die Vivendi-Aktie sackte ab.

Der kombinierte Buchwert der Gruppe liegt nach Angaben ihres designierten Chefs, des Vivendi-Vorstandsvorsitzenden JeanMarie Messier, mit 125 Euro je Aktie deutlich über dem aktuellen Kurs der Vivendi-Aktie. Als Umsatz gehen die Partner von zunächst 55 Milliarden Euro aus. Zum geplanten Bruttoergebnis (Ebitda) von sieben Milliarden Euro sollen Synergien von 400 Millionen Euro jährlich beitragen. "Was da passiert, ist eine einmalige Gelegenheit in der Geschichte eines Konzerns", warb Messier am Dienstag in Paris für die Verbindung. Vivendi sei vom Versorger zur Kommunikationsgruppe geworden, Seagram vom Spirituosenkonzern zur Medienholding. Das sei die Voraussetzung für die Fusion. Die Musik bleibe Kerngeschäft. "Wir sind in der Position, unseren Kunden im neuen Jahrhundert jeweils die Inhalte ihrer Wahl über den von ihnen gewünschten Weg zu liefern", bekräftigte Seagram-Chef Edgar Bronfman jr.. Er wird in der neuen Gruppe Messiers Stellvertreter. Bronfman bezeichnete das von Seagram eingebrachte Musikgeschäft als Kernangebot auf den Vertriebskanälen der neuen Mediengruppe. "Wir beide haben beschlossen, das Internet swingen zu lassen."

Die Struktur der Transaktion bezeichnete Messier als einfach: Die Seagram-Aktionäre sollen je Aktie steuerfrei Vivendi-Aktien im Wert von 77,35 Dollar erhalten. Die Bronfman-Familie, mit 24,5 Prozent kontrollierender Seagram-Aktionär, wird mit acht Prozent Kernaktionär der neuen Vivendi Universal und will laut Edgar Bronfman jr. langfristig engagiert bleiben. Die von der jüngsten Vivendi-Hauptversammlung beschlossene Stimmrechtsbegrenzung von de facto zwei Prozent trifft sie laut Bronfman nicht. Canal Plus, bisher schon zu 49 Prozent bei Vivendi, wird im Rahmen der Transaktion in den neuen Konzern integriert. Die Aktionäre werden mit je zwei Vivendi-Aktien abgefunden. Das lizenzpflichtige Frankreich-Geschäft, an dem Mehrheitsbeteiligungen gesetzlich untersagt sind, wird über die Ausgabe von Aktien einer neuen Canal Plus an die Aktionäre abgespalten. Die Regierung hat diesem Vorgehen zugestimmt.

Die Machtverhältnisse in der neuen Gruppe werden in der Zusammensetzung des Aufsichtsrats offenbar: Zu 14 Vivendi-Aufsehern werden sich fünf Seagram-Vertreter gesellen. Außerdem kommt Canal-Plus-Chef Pierre Lescure hinzu. Bis August sollen die Details der Transaktion und die Pro-FormaKonzernrechnung stehen, auf deren Basis dann außerordentliche Hauptversammlungen der Partner bis November über die Fusion entscheiden. Mit kartellrechtlichen Problemen rechnen weder Messier noch Bronfman. Parallel soll eine Arbeitsgruppe die organisatorische Neugliederung vorbereiten. In dieser wird Lescure das Filmgeschäft der Gruppe und die Vergnügungsparks vertreten. Eric Lecoys, bisher Messiers ausführendes Organ bei Vivendi, übernimmt das Verlagsgeschäft, Doug Morris, ein Vertrauter Bronfmans, die Musikaktivitäten. Der Boss der Vivendi-Telefontochter Cégétel, Philippe Germond, kümmert sich neben Telekommunikation um das Internet.

Die Folgen für Europas Medienlandschaft sind laut Messier noch nicht absehbar. Das gilt vor allem für Vivendis Beteiligung von 21,5 Prozent am britischem Pay-TV-Sender BSkyB Plc. "Angesichts der Kombination, die Vivendi Universal nun darstellt, muss Murdoch jetzt noch mehr Interesse haben, mit uns zu sprechen", so Messier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben