Wirtschaft : Vivendi soll zum Medienkonzern schrumpfen Traditionsreiche Wassersparte

wird auch verkauft

NAME

Paris (sah). Auch wenn die Strategien gestern bei der Aufsichtsratssitzung des hochverschuldeten französisch-amerikanischen Mischkonzerns Vivendi Universal einleuchtend klangen: Der Leidensweg ist noch lange nicht beendet. Belastet von einem Schuldenberg in Höhe von 36 Milliarden Euro ist der neue Vorstandschef Jean-René Fourtou gezwungen, den Ausverkauf des früheren Vorzeigeunternehmens voranzutreiben. Innerhalb von 18 Monaten will sich Fourtou von Vermögenswerten und Beteiligungen in Höhe von mindestens zwölf Milliarden Euro trennen. Der Verkauf des italienischen Bezahlsenders Telepiù an Rupert Murdoch ist bereits perfekt. „Das bringt eine Milliarde Euro“, sagte Fourtou am Mittwoch.

Die Zeit drängt deshalb, weil sich für viele Sparten, die verkauft werden sollen, noch keine Käufer gefunden haben. Andererseits aber müssen nun im Monatstakt Kredite zurückgezahlt werden, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren aufgenommen hatte, um seine Expansion zu finanzieren. Von seinem geschassten Vorgänger Jean-Marie Messier hat Fourtou ein extrem schweres Erbe übernommen. Die Uhr tickt, denn Anleger, Gläubigerbanken und Anteilseigner verlangen eine klare Ausrichtung der Gruppe. Ihr Spektrum reicht noch vom Pay-TV (Canal Plus) über den Plattenkonzern Universal Music, die Hollywoodstudios Universal Pictures, die Telefonfirmen Cegetel/SFR bis zum Wasser- und Energieversorger (Vivendi Environnement). In den drei Monaten seit seinem Amtsantritt ist es Fourtou gelungen, einen Notkredit von drei Milliarden Euro zu bekommen und so den Konzern am Leben zu erhalten. Jetzt geht es um den Verkauf der ältesten Sparte des Unternehmens, des Wasserversorgers Vivendi Environnement (VE), an dem der Gesamtkonzern 42 Prozent hält.

Erklärtes Ziel von Fourtou, der den Pharmakonzern Rhone-Poulenc mit Hoechst zusammenführte, ist es, Vivendi zu einem reinen Medien- und Kommunikationsunternehmen zu machen. Die Wasser- und Umweltsparte, 1853 als Compagnie Générale des Eaux gegründet, wird also abgegeben. Branchenexperten halten diesen Schritt für richtig, zumal Vivendi Environnement (VE), als solide eingestuft wird und 3,3 Milliarden Euro wert sein soll. Im ersten Halbjahr 2002 steigerte VE seinen Gewinn um 39 Prozent auf 216,2 Millionen Euro. Viel schwieriger als das Abstoßen der Umweltsparte ist die Bündelung der Medien- und Kommunikationsaktivitäten. Das Internet-Portal Vizzavi veräußerte er bereits, ebenso die Decoder-Sparte von Canal Plus, den Zeitschriftenbereich und die Technologiesparte von Canal Plus. Die Verkäufe brachten bislang rund 650 Millionen Euro. 1,5 Milliarden Euro soll der Verkauf der Verlagssparte, weitere 1,5 Milliarden Euro die Veräußerung des US-Buchverlages Houghton Mifflin bringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben