Wirtschaft : Vivendi Universal greift Disney und AOL Time Warner an

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Der französische Mischkonzern Vivendi Universal unternimmt einen Vorstoß in die von AOL Time Warner, Walt Disney und Viacom beherrschte amerikanische Medienbranche: Zum Preis von knapp 12,4 Milliarden Dollar übernimmt Vivendi vom Medienunternehmer Barry Diller die Unterhaltungssparte des Kabelfernsehkonzerns USA Networks. Die Übernahme wird Europas größtem Medienunternehmen ein eigenes Programm-Vertriebs-Netz in den USA und vermutlich mehr Respekt bei den Investoren der Wall Street verschaffen, die Vivendi Universal bisher als echten Konkurrenten von AOL Time Warner nicht ernst genommen haben. Vivendi Universal will etwa neun Milliarden Dollar für den Rest der Aktien von USA Networks zahlen, die Vivendi Universal noch nicht besitzt; die Franzosen halten bereits 44 Prozent der USA Networks-Anteile. Ferner zahlt Vivendi 1,65 Milliarden Dollar in bar, investiert 750 Millionen Dollar in ein neues Joint Venture und übernimmt Steuerschulden von einer Milliarde Dollar. Liberty Media, mit 21 Prozent an USA Networks beteiligt, soll einen Anteil von 3,6 Prozent an Vivendi erhalten. Liberty-Chef John Malone will für 5,6 Milliarden Euro den größten Teil des Kabelnetzes der Telekom kaufen und gegen den Widerstand der Kirch-Gruppe Anteile des Pay-TV-Senders Premiere übernehmen.

Vivendi Universal hatte voriges Jahr für 34 Milliarden Dollar die kanadische Seagram erworben, der Universal Studios gehört. Der frühere Wasser-Versorger Compagnie Generale des Eaux war 1998 in Vivendi umbenannt worden. Zu der neuen Einheit namens Vivendi Universal Entertainment (VUE) gehören die Universal Studios und die Unterhaltungsbereiche von USA Networks. Chef von VUE wird der Chef von USA Networks, Barry Diller. Mit Vivendi-Chef Messier hat er zwar einen neuen Vorgesetzten, doch dem Vernehmen nach wird Diller in der neuen Firma sein eigener Herr und damit wieder der mächtigste Mann in Hollywood. Dillers steile Karriere begann, als er mit 25 Jahren einen leitenden Posten beim Fernseh-Netzwerk ABC erhielt. 1974 übernahm er die Geschäftsführung des Studios Paramount Pictures. Unter ihm arbeiteten Michael Eisner, heute Disney-Chef, und Jeffrey Katzenberg, heute bei "Dreamworks".

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