Vivendi : Virtuelle Kämpfer gegen die Krise

Der Unterhaltungskonzern Vivendi steigert dank Computerspielen den Umsatz um 17 Prozent. Sorgenkind bleibt Universal Music.

Rudolf Balmer
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Foto: p-a/gmsBlizzard

Paris - Einmal Held sein. Wenn die Krise aufs Gemüt schlägt, braucht der Mensch erst recht Spiel, Sport und Spannung. Mit bunter Ablenkung vom Alltag kennt sich das Multimedia-Unternehmen Vivendi aus. Die Computer-Spiele, in denen jeder ein Held sein kann – sei es als Krieger oder Rockgitarrist – gehen trotz Rezession weg wie geschnitten Brot.

Entsprechend über die Erwartungen hinaus gut waren die Ergebnisse, die Vivendi am Dienstag für das zweite Quartal 2009 veröffentlichen konnte. Das französische Medienunternehmen, das vor zehn Jahren aus der ursprünglich in der Wasserversorgung tätigen Compagnie Générale des Eaux entstanden war, ist heute das am Börsenwert gemessen größte europäische Unternehmen der Unterhaltungsindustrie. 43 000 Mitarbeiter beschäftigt es in 77 Ländern.

Im ersten Halbjahr 2009 ist es Vivendi gelungen, den Umsatz um 17 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro und den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 13 Prozent auf 2,4 Milliarden zu steigern. Aufgrund hoher Zinskosten schmilzt der Reingewinnanteil der Gruppe allerdings auf 1,2 Milliarden (minus 2,8 Prozent). Für die zweite Jahreshälfte rechnet Vivendi mit einem soliden Wachstum. Firmenchef Jean-Bernard Lévy sieht darin eine Bestätigung seines Geschäftsmodells, das nicht krisenanfällig sei. Den Umsatzzuwachs verdankt Vivendi hauptsächlich dem Spieleanbieter Activision Blizzard, der vor allem dank seiner Verkaufsschlager wie dem Rollenspiel „World of Warcraft“ (siehe Foto), der Rockband-Simulation „Guitar Hero“ oder dem Kriegsspiel „Call of Duty“ in einem allgemein eher schwachen Marktsegment seine Verkäufe auf 373 Millionen Euro vervierfachen konnte.

Sorgenkind der Multimedia-Abteilung bleibt dagegen mit praktisch stagnierenden Verkäufen Universal Music. Der gebührenpflichtige Download und das Geschäft mit Musik in digitalisierter Form kann den anhaltenden Rückgang beim Absatz von CDs nicht kompensieren. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sank in dieser Sparte um 31,8 Prozent. Trotzdem ist Lévy zuversichtlich: „Das legale Herunterladen entwickelt sich mit fast 30 Prozent Wachstum seit Jahresbeginn sehr schnell. Das wird ein echter Markt. Universal Music hat im ersten Halbjahr mit dem digitalen Verkauf rund 500 Millionen Euro umgesetzt.“ Er nennt ein Beispiel für diesen Trend: Lady Gaga habe in den USA bereits mehr über das Internet als durch verkaufte Alben verdient.

Den Erwartungen entsprechend fiel das Ergebnis für die Tochter SFR aus. Frankreichs zweitgrößter Anbieter von Festtelefon- und Mobilfunkanschlüssen steigerte seinen Umsatz in den ersten sechs Monaten um 16 Prozent auf 6,14 Milliarden Euro und zählte Ende Juni 14 Millionen Telefonabonnenten und 4,1 Millionen Internetanschlüsse. Lévy sprach sich vehement gegen den staatlichen Beschluss aus, dass private Telekomfirmen durch eine zusätzliche Umsatzbesteuerung den teilweisen Ausfall von Werbeeinnahmen der öffentlichen Fernsehsender kompensieren sollen. Er präzisierte schließlich, Vivendi plane derzeit keine größeren Übernahmen und wolle durch die Gewinne die Verschuldung von 8,5 auf 7 Milliarden reduzieren und die Dividenden erhöhen. Rudolf Balmer

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