Wirtschaft : Vodafone-Chef Gent schlägt auf Werbetour moderate Töne an

Im Übernahmekampf zwischen Mannesmann und Vodafone-Airtouch haben sich beide Unternehmen am Wochenende darum bemüht, die Töne zu mäßigen. Vodafone-Chef Chris Gent sprach in Düsseldorf mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement. Dabei habe Gent versichert, die Arbeitsplätze von Mannesmann seien sicher, hieß es. Clement sagte nach einem Zeitungsbericht, nur ein "gleichberechtigtes Zusammengehen" fände seine Zustimmung. Mannesmann dürfe nicht zur Filiale eines Londoner Konzerns werden."

Wie es bei Vodafone hieß, will Gent in dieser Woche bei weiteren Gesprächen in Deutschland für sein Angebot werben, den Mannesmann-Konzern mit einem Aktientausch im Volumen von rund 242 Milliarden Mark zu übernehmen. Neben Clement traf Gent am Samstag auch den nordrhein-westfälischen CDU-Vorsitzenden Jürgen Rüttgers. Gent habe darauf hingewiesen, dass sein Angebot nicht auf eine feindliche Übernahme ziele. Vielmehr würden die Mannesmann-Aktionäre rund 50 Prozent des fusionierten Unternehmens erwerben.

Zugleich betonte Gent, für ihn sei auch nach dem am Freitag erfolgten zweiten Angebot für Mannesmann die Türe nicht zugeschlagen. "Mannesmann-Chef Esser hat meine Mobilfunknummer", sagte er. Die harsche Ablehnung seines ursprünglichen Angebotes von vor einer Woche habe ihn zu seiner unfreundlichen Offerte gezwungen, sagte Gent dem Handelsblatt. Für Gent ist Mannesmann-Chef Esser ein von "Verteidigungsinstinkten" getriebener Charakter.

In der "Welt am Sonntag" bekräftigte Gent, dass Vodafone den Mannesmann-Aktionären kein Bargeld anbieten könne. Um die Aktionäre zu bedienen, will Gent neue Vodafone-Aktien ausgeben und einen Kredit von rund 30 Milliarden Pfund (rund 90 Milliarden Mark) für den Rückkauf eigener Aktien aufnehmen. Zugleich versicherte er, bei einer Übernahme werde der Mannesmann-Konzern nicht zerschlagen. Am Wochenende warb Vodafone abermals in ganzseitigen Anzeigen in deutschen Zeitungen für die Übernahme.

Klaus Esser will in der Auseinandersetzung mit Vodafone-Chef Chris Gent nicht persönlich werden. "Ich weiß, dass dies in England Praxis ist, aber ich werde mich daran nicht beteiligen", sagte Esser dem Handelsblatt. Esser betonte, dass er Gents Vorgehen für falsch halte. "Ich finde aber nicht, dass Gent deshalb ein schlechter Mensch ist." Der Mannesmann-Chef will allein "auf Wertbasis" die Vodafone-Offerte mit den Aktionären diskutieren. "Die politische Diskussion hätte ich lieber draußen", sagt er. "Ich finde es nicht gut, dass Gent Blair in die Diskussion gebracht hat." Gent hatte vor einigen Tagen betont, dass der britische Premier sein Vorgehen unterstütze. Es sei klar, dass dann auch Schröder etwas zum Thema sagen mußte, als er gefragt wurde. Insgesamt sei aber sein Eindruck, dass die Diskussion in England weitaus stärker national geprägt sei als in Deutschland.

Das größte Problem bei einer Übernahme von Mannesmann durch Vodafone sieht Esser in Gents Plänen für Orange: Den britischen Mobilfunker, der in Großbritannien in direkter Konkurrenz zu Vodafone steht, will Gent zurück an die Börse bringen. "Das gibt ein erhebliches Wertproblem für die Vodafone-Aktionäre", die zweimal ein Premium für Orange bezahlen müssten, so Esser. Der Mannesmann-Chef rechnet wie folgt: Mannesmann hat Orange für 30 Milliarden Euro gekauft. In diesem Kaufpreis sind 18 Milliarden Euro in Aktien, gerechnet zu einem Kurs von 155 Euro, enthalten. Wenn Vodafone Mannesmann für 240 Euro je Aktie übernehmen würde, wäre Orange mit über 40 Milliarden Euro bewertet. Esser sieht darin das Gegenteil einer Synergie, wenn Vodafone dieses versehentliche Premium zusätzlich zu dem Premium zahlen würde, das schon Mannesmann den Orange Aktionären zahlen wird. Dies könnten die von Vodafone mit drei Milliarden Euro bezifferten Synergien nicht wettmachen.

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