Wirtschaft : Vodafone greift wieder an – diesmal in den USA

Der britische Mobilfunkkonzern will die AT&T Wireless übernehmen. Davon profitiert die Telekom-Aktie

-

Die Gerüchte gab es schon lang, jetzt ist es offiziell: Die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone prüft den Einstieg beim amerikanischen Mobilfunkanbieter AT&T Wireless. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Was der Markt von diesem Plan halte, habe sich bereits an Vodafones Börsenkurs gezeigt, sagte ein Analyst: Seit dem Auftreten der Gerüchte sei er um etwa zehn Prozent gesunken. Die TelekomAktie dagegen legt zu. Beobachter schätzen den Wert von AT&T Wireless auf rund 30 Milliarden Dollar (rund 24 Milliarden Euro) – die Milliardenschlacht könnte Vodafone schwächen, fürchten die Anleger.

Vodafone ist nicht der einzige Interessent. Der Konkurrent Cingular hat bereits ein Angebot vorgelegt, es soll bei 27 Milliarden Dollar liegen. Auch andere Unternehmen sind interessiert – am Freitag endet die Bieterfrist. Die Deutsche Telekom, die mit T-Mobile US sechstgrößter nationaler Mobilfunkanbieter in den USA ist, hat ein Angebot bisher ausgeschlossen.

Bevor Vodafone bei AT&T Wireless einsteigen könnte, müsste das Unternehmen seine 45-Prozent-Beteiligung an der Nummer eins des US-Marktes, Verizon Wireless, verkaufen. Dafür könnte Vodafone nach Ansicht von Beobachtern rund 20 Milliarden Dollar erhalten. Gespräche mit Verizon laufen bereits. Bei Verizon Wireless haben die Briten nur eine Minderheitsposition, zudem verwendet Verizon Wireless eine andere Mobilfunktechnik als der weltgrößte Anbieter Vodafone sonst einsetzt. AT&T, die Nummer drei am Markt, verwendet dagegen ebenfalls GSM-Technik. Bei der Übernahme von AT&T Wireless könnte Vodafone auch in den USA unter eigenem Namen auftreten und Größenvorteile beim Einkauf von Handys und Netztechnik realisieren.

Dennoch: Cingular, bis jetzt die Nummer zwei auf dem US-Markt, könne wesentlich mehr für AT&T Wireless bieten als Vodafone, sagt Analyst Marcus Sander vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Denn Cingular könne weit größere Vorteile aus dem Zusammenschluss mit dem Konkurrenten ziehen. „Daher ist das Szenario, dass Cingular AT&T Wireless übernimmt, aus der Sicht von T-Mobile US der ungünstigere Fall. Der Wettbewerb würde sich verschärfen“, sagte Sander. Andere Analysten sehen auch Vorteile, die T-Mobile aus dem Zusammenschluss ziehen könnte: Das fusionierte Unternehmen wäre möglicherweise gezwungen, sich aus Wettbewerbsgründen von einigen Märkten zu trennen, schreiben Analysten von der ING BHF Bank. Und in dem Fall wäre die Telekom-Tochter wohl der Käufer für diese regionalen Märkte und könnte so Löcher in der Netzabdeckung stopfen.

Nach Meinung von Analysten wäre die beste Paarung auf dem US-Markt die von AT&T Wireless und T-Mobile US. Doch es wird erwartet, dass die Telekom bei ihrer ablehnenden Haltung bleibt – nicht zuletzt, weil sie schon bisher für ihr Engagement auf dem amerikanischen Markt scharf kritisiert wurde. vis/HB

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben