Wirtschaft : Vodafone muss mit strengen Auflagen aus Brüssel rechnen

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Der Übernahmepoker um Mannesmann ist zwar beendet, doch die Fusion zwischen dem britisch-amerikanischen Mobilfunkbetreiber Vodafone-Airtouch und dem Düsseldorfer Konzern ist noch nicht vollzogen. Denn die Zustimmung der Europäischen Kommission steht noch aus. Die Frist für die Kommissions-Entscheidung läuft am Mittwoch ab. Vodafone werde mit schärferen Auflagen als zunächst erwartet rechnen müssen, meldeten Zeitungen. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti behalte sich die Entscheidung aber bis zum letzten Moment vor, hieß es aus Brüssel. "Die Würfel sind noch nicht gefallen", sagte Montis Sprecher Michael Tscherny. Es sei noch alles offen.

Vodafone hatte bereits am 30. März bekanntgegeben, dass dem Unternehmen 98,62 Prozent der Mannesmann-Papiere zum Tausch angeboten worden sind. Die Kommission hat zwei Möglichkeiten: Sie kann die Fusion unter Auflagen genehmigen oder noch weiter vertiefend prüfen. Sollte die Kommission das Hauptprüfungsverfahren einleiten, kann die Fusion noch nicht vollzogen werden. Die zweite Prüfungsphase kann bis zu vier Monaten dauern.

Der Sprecher des Wettbewerbskommissars wollte sich nicht dazu äußern, welche konkreten Auflagen in der Kommission diskutiert werden. Die wichtigste Auflage zur Genehmigung der Übernahme war jedoch von Anfang an klar: Mannesmann muss die im vergangenen Jahr kurz vor der eigenen Übernahme erworbene britische Mobilfunkgesellschaft Orange wieder abgegeben - entweder an der Börse oder an ein anderes Unternehmen. Tscherny sagte, es gebe Überschneidungen zwischen den Aktivitäten von Orange und Vodafone in Großbritannien und in Belgien. Hier könne der Zusammenschluss Vodafone-Mannesmann zu hohen Marktanteile einbringen.

Vodafone hat dem Verkauf bereits zugestimmt. Doch auch bei Vodafone wisse man noch nicht, wie die Abspaltung von Orange zu erfolgen habe, sagte Unternehmenssprecher Terry Barwick. "Wir müssen die Entscheidung von Mittwoch abwarten." Es gebe auch keine Variante, die Vodafone besonders bevorzugen würde. France Télécom und die niederländische KPN haben bereits Interesse am Kauf von Orange gezeigt.

Die Kommission hatte jedoch bereits deutlich gemacht, dass sie über die Mannesmann-Beteiligung Orange hinaus Probleme sieht. Gemeinsam erlangten Vodafone und Mannesmann, die zum weitaus größten Mobilfunkbetreiber Europas aufstiegen, auch großes Gewicht beim Einkauf von Technik und Handys, sagte Tscherny. Gleiches gelte für die Gebühren, die die Mobilfunkbetreiber voneinander bei grenzüberschreitenden Gesprächen verlangten. Bei diesen Roamingabkommen könnte sich Vodafone-Mannesmann Kostenvorteile verschaffen oder eigenen Gesellschaften günstigere Konditionen einräumen und so den Wettbewerb erheblich beeinflussen.

Die Kommissionsentscheidung dürfte auch Auswirkungen auf die Zukunft der Mannesmann-Tochter Atecs haben. Solange die Kommission die Übernahme nicht genehmigt, können die Briten ihre Rechte als Eigentümer nicht voll ausüben. Bis dahin entscheidet in Düsseldorf der Mannesmann-Aufsichtsrat. Hier heißt es zwar, man arbeite in enger Abstimmung mit Vodafone. Doch Mannesmann-Vorstandschef Klaus Esser will Atecs an die Börse bringen, während man Vodafone-Chef Chris Gent unterstellt, er bevorzuge die Lösung, die am schnellsten das meiste Geld bringe - den Verkauf.

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