Wirtschaft : Vodafone: Unternehmen baut weltweite Führungsposition aus

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Das britische Mobilfunkunternehmen Vodafone hat am Mittwoch seinen Einstieg bei Japan Telecom bekannt gegeben. Damit bestätigten sich bereits seit längerem kursierende Gerüchte über eine geplante Minderheitsbeteiligung an dem japanischen Unternehmen. Vodafone übernimmt 15 Prozent der Anteile an der Festnetzgesellschaft Japan Telecom von den beiden bisherigen Anteilseignern, West Japan Railway Company (JR) und JR Central, für 249 Milliarden Yen (4,8 Milliarden Mark). Diese Beteiligung ist die bislang größte Investition von Vodafone in Asien. Damit beschließt Vodafone ein Jahr der erfolgreichen Expansion, das mit der Mannesmann-Übernahme Anfang 2000 begann.

Mit dem Kauf der Japan-Telecom-Anteile von den regionalen Eisenbahngesellschaften baut Vodafone seine Beteiligung an der Mobilfunksparte von Japan Telecom, J-Phone, aus, und überflügelt zugleich den Konkurrenten British Telecom (BT). Vodafone war im Gegensatz zum Konkurrenten BT bislang nicht an Japan Telecom beteiligt, hält aber bereits 26 Prozent an J-Phone. British Telecom hält 20 Prozent an J-Phone und 15 Prozent an Japan Telecom.

Japan Telecom ist mehrheitlich im Besitz von japanischen regionalen Eisenbahngesellschaften und mit 54 Prozent größter Aktionär bei J-Phone. Vodafone hält jetzt einen direkten und indirekten Anteil von insgesamt 34 Prozent an der Mobilfunkgesellschaft. J-Phone rangiert mit einem Marktanteil von rund 16 Prozent oder 9,3 Millionen Kunden deutlich hinter dem japanischen Mobilfunk-Branchenführer NTT Docomo mit mehr als 33 Millionen Kunden. Der japanische Mobilfunkmarkt ist weltweit der zweitgrößte nach den USA und gilt als technologischer Schrittmacher. Der neue Mobilfunkstandard UMTS soll in Japan bereits im kommenden Jahr und damit deutlich früher als in Europa eingeführt werden. Analysten zufolge zielt das Engagement von Vodafone bei Japan Telecom darauf ab, den Einfluss bei J-Phone zu vergrößern und damit die UMTS-Technik frühzeitig testen zu können.

Größter Anteilseigner an Japan Telecom bleibt die Bahngesellschaft JR East mit 15,1 Prozent. British Telecom und der BT-Partner AT & T halten an Japan Telecom jeweils 15 Prozent. Branchengerüchten zufolge erwägt der US-Konzern AT & T jedoch den Verkauf seines Japan-Telecom-Anteils, nachdem sich NTT Docomo vor kurzem für rund zehn Milliarden Dollar mit 16 Prozent an der Mobilfunksparte beteiligt hatte. British Telecom und AT & T unterhalten das globale Telekom-Gemeinschaftsunternehmen Concert.

Mit der Stärkung seiner Position in Japan baut Vodafone seine weltweite Marktführerschaft weiter aus. Im September zählte Vodafone weltweit 65,8 Millionen Kunden in eigenen Unternehmen oder anteilig in den Beteiligungsunternehmen. Seither ist noch die 25-prozentige Beteiligung an der Schweizer Swisscom Mobil und zuletzt die Übernahme von 2,2 Prozent an China Mobile hinzugekommen. Vodafone konzentriert sich dabei nach wie vor allein auf Mobilfunkunternehmen und hat sich mittlerweile ein einzigartiges weltumspannendes Netzwerk aufgebaut, dass sich über 25 Länder auf fünf Kontinenten erstreckt. Einzig in Südamerika ist Vodafone bisher nicht vertreten. Das britische Mobilfunkunternehmen hat damit die Grundlage geschaffen, künftig einen flächendeckenden Service rund um den Erdball anzubieten.

Ein wichtiger Schritt, sich diese einmalige globale Präsenz zu sichern, war die Mannesmann-Übernahme Anfang des Jahres. Mit Mannesmann D2 übernahm Vodafone nicht nur den Marktführer auf dem wichtigsten europäischen Markt, sondern auch noch die Mannesmann-Mobilfunkaktivitäten in Italien, Frankreich und Österreich. Im Mai ging dann das Internetportal Vizzavi an den Start, ein Gemeinschaftsunternehmen von Vodafone und dem französichen Vivendi-Konzern. Im selben Monat startete Verizon Wireless, ein Joint Venture mit Bell Atlantic, mit 26,3 Millionen Kunden größter Mobilfunkanbieter in den USA.

Trotz all der Beteiligungen und Übernahmen ist Vodafone finanziell beweglich geblieben. Nach der milliardenschweren Übernahme von Mannesmann musste Vodafone die Mannesmannerwerbung Orange wieder abgeben. 40 Milliarden Euro zahlte France Télécom, davon 22 Milliarden Euro in bar. Es folgten die Verkäufe der Industriesparte Atecs und im Oktober der italienischen Festnetzgesellschaft Infostrada. Wiederum flossen 14,5 Milliarden Euro Bargeld in die Kassen von Vodafone.

Viele Milliarden Euro hat Vodafone in die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS gesteckt. Im Wettstreit um die begehrten Lizenzen in Europa zeichnet sich Vodafone als einer der Sieger ab. Vodafone hat in allen wichtigen Märkten Europas eine UMTS-Lizenz erworben - unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien. Nach Berechnungen von WestLB Panmure erreicht Vodafone damit schon heute in Europa eine Bevölkerung von etwa 220 Millionen Menschen. Dabei hält der britische Konzern die Lizenzen über Unternehmen, an denen er mehrheitlich beteiligt ist. So kann Vodafone europaweit ein durchgehendes Netz aufbauen. Und im Vergleich zu den anderen europäischen Telekom-Konzernen, die Milliarden Euro in teure UMTS-Lizenzen gesteckt haben, steht Vodafone finanziell noch am besten da.

Der Aktienkurs der Japan Telecom konnte nach dem Einstieg von Vodafone bei einem insgesamt weiter stark nachgebenden Aktienmarkt am Mittwoch um 80 Yen auf 2,28 Millionen Yen zulegen. Der Kurs der NTT Docomo-Aktie gab demgegenüber 260 Yen auf 2,25 Millionen Yen nach. Die Börse in London reagierte dagegen auf den Barkauf verhalten. Der Vodafone-Kurs ging im Handelsverlauf um 3,35 Prozent auf 245,5 Pence zurück.

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